Vom Fleck zur Figur: Tusche-Zeichnungen von Mechtild Böger in der Bremer Galerie des Westens

Plastische Posen und Pointen auf Papier

Mechtild Böger: Beine und Zwergeselchen.

Von Rainer BeßlingBREMEN (Eig. Ber.) · Am Anfang steht ein Klecks oder eine Linie oder schon eine kleine Schraffur. Dann formen Ergänzungen und Assoziationen den Fluss von Tinte und Tusche zu Flächen und Figuren.

Schließlich nimmt eine mehr oder weniger konkrete Gestalt auf dem Blatt Papier Platz. In Mechtild Bögers Zeichnungen wächst sich die Farbe häufig zu Tieren aus, nicht unbedingt geeignet für Bestimmungsbücher, die korrekte Gattungs- und Rassenmerkmale bieten müssen. Eher gedacht als Posenskizzen und Studien über animalische Eigenheiten, die schon mal skurrile Züge, karikierende Überzeichnungen oder Form betonende Verwischungen aufweisen. Hunde-Kundige dürften sie aber durchaus verstehen und beifällig schmunzeln.

So etwa in einem Block von Hundebildern, der eine ganze Nische in der Bremer Galerie des Westens einnimmt. Da stellen sich Vierbeiner, groß und klein, schmal und beleibt, auf und quer, springen und drohen, kläffen oder fordern beim „Probe Spaziergang“ dem potentiellen Herrchen erheblichen Leinenzug ab. Wie die meisten Zeichnungen der vor allem als Schöpferin von Drahtskulpturen bekannten Bremerin sind auch diese Blätter nicht vor dem Objekt, sondern als abendliche Etüden im Dreiklang von Papier, Feder und inneren Bildern entstanden. So fließt dabei neben frei ausblühender Tinte und Tusche konkret Gesehenes in das Bild.

Improvisation und Erinnerung mischen sich zu überwiegend amüsanten Bildpointen, die neben tierischen auch menschliche Posen in karikierter Kenntlichkeit anklingen lassen. Mal miteinander ringend, mal mehr in Gleichklang und Eintracht, in jedem Fall symbiotisch, treten Herrchen/Frauchen mit tierischen Begleitern auf. Der Mensch tritt bei Bögers Zeichnungen freigestellt vor leerer Kulisse aber auch als Tanzender, als nach Haltung suchende und sich in seinen Gesten offenbarende Figur auf. Beschränkt auf eine Farbe, wirken die Figuren trotz des fließenden Materials und der spontanen Formfindung eher skulptural als grafisch.

(GaDeWe, bis 18. Juni)

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