Die Philharmoniker beenden ihr Festival „An der Grenze“

Alles wieder gut dank Bruckners Siebter

Markus Poschner
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Markus Poschner

Bremen - Von Ute Schalz-Laurenze. Einige historische Zitate genügen eigentlich, um das Erlebnis der Wiedergabe von Anton Bruckners siebenter Sinfonie durch die Bremer Philharmoniker unter Markus Poschner im letzten Konzert des Festivals „An der Grenze“ am Dienstagabend in der Bremer Glocke zu beschreiben.

So heißt es in der Uraufführungskritik 1884 in der „Kölnischen Zeitung: „Anfangs Befremden, dann Fesselung, dann Bewunderung, schließlich Begeisterung“. Lassen wir das „Befremden“ weg, dann stimmt jedes Wort.

Bruckners Musik wirkt allerdings auch heute noch so gewaltig, dass das „Befremden“ nachvollziehbar ist. Und auch die zeitnössische Aufregung, die Ablehnung, die Zustimmung werden wieder präsent. Brahms meinte seinerzeit, die Sinfonien seien „Schwindel“, Eduard Hanslik hörte „verblüffende Musik mit einem ungezügelten und ungeschulten Realismus“, Alma Mahler erkannte, die Sinfonien seien „laute Diesseitigkeit“, Ernst Bloch erklärte 1918, Bruckners Musik „ist Klang, der sich erst bildet“, sie ist „Unruhe, Zerstörung, Überhöhung, dauernde Visierung“. Hugo Wolf nannte sie gar die „Schöpfung eines Giganten“.

Bruckner selbst durchlebte Wechselbäder der Rezeption: daran gewöhnt, dass die Menschen zu Scharen bei der Aufführung seiner Sinfonien hinausliefen, erlebte er nun, dass seine siebente Sinfonie 1883 auf einmal einen 15-minütigen Beifallssturm erzeugte.

Dies alles setzen die Bremer Philharmoniker spannend, gekonnt und klangsensibel in Szene, ihre Bruckner-Beschäftigung geht ja schon auf Günter Neuhold und vor allem Lawrence Renes zurück. Und unter Poschner gelingt großartig dieses An- und Vorwärtsschieben des Klanges bis hin zu den gewaltigen Crescendi, nicht minder großartig das Aushalten von Ruhepunkten und die unterschwellige Erregung dieser „wüsten“ (Hanslick) Musik. Präzise und detailgenau auch das unüberhörbar Wienerische. Der langsame Satz, die große Trauermusik für Richard Wagner, lässt keine Wünsche offen und die fratzenhafte Dämonik des Scherzos reißt einfach mit.

Das Konzert war der Abschluss des dreitägigen Festivals über den Mäzen König Ludwig II von Bayern, dem diese Sinfonie mit unüberbietbaren barocken Verehrungen gewidmet ist: Da wimmelt es nur so von „allerunthertänigst“ und „allergnädigst“.

So gut die Idee des Festivals ist, so wenig scheint nachvollziehbar, dass dort auch eher viertrangige Musik gespielt wurde. Die bejubelte Wiedergabe von Bruckners Siebenter machte am Ende alles wieder gut.

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