Kunsthalle Bremen widmet Norbert Schwontkowski eine kleine Würdigung

Der Pfiff des Buddhas

Norbert Schwontkowski: „Saal 9“, (2010). ·
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Norbert Schwontkowski: „Saal 9“, (2010). ·

Bremen - Von Johannes BruggaierEr hatte angeblich Priester werden wollen. Und tatsächlich war Norbert Schwontkowskis Kunst bis zuletzt stets von einer religiösen Aura geprägt: von einem eigenartigen Schwebezustand zwischen weihevoller Spiritualität und deren eigener Ironisierung.

Vor einem Monat ist Schwontkowski im Alter von 64 Jahren gestorben. In seiner Heimat Bremen haben nun vier Ausstellungshäuser kurzfristig eine kleine Präsentationsreihe organisiert. Neben der Weserburg, der Karin und Uwe Hollweg Stiftung sowie dem Bremerhavener Kunstverein ist auch die Kunsthalle Bremen mit dabei. In deren Magazin befinden sich immerhin vier Gemälde, 18 Grafiken und ein Objekt aus Schwontkowskis Atelier.

Es handele sich mehr um eine spontane „Ehrbekundung“ als um eine klassische Ausstellung, betont Kuratorin Sabine Maria Schmidt. Gleichwohl ist die in der Tat übersichtliche Schau (sie beschränkt sich auf einen einzigen Raum) dazu geeignet, sich einen Eindruck von charakteristischen Wesenszügen seiner Kunst zu verschaffen.

Das gilt insbesondere für „Saal 9“, ein Gemälde aus dem Jahr 2010, das sich gleich in mehrfacher Hinsicht als feinsinnig heiterer Kommentar zum Kontext der Schau erweist. Auch auf der Leinwand selbst nämlich blicken wir in eine Ausstellung: eine weitläufige Gemäldeschau, als deren einziger Besucher ein einsamer Kardinal in rotem Gewand auszumachen ist. Ratlos blickt er auf die ausnahmslos tiefschwarzen Bildflächen, knabbert dabei verlegen an seinen Fingernägeln. So ist das mit der Kunst: Statt ihm die erhofften letzten Antworten zu gönnen, stürzt sie ihren Rezipienten ins Ungewisse. Das ist tragisch und komisch zugleich, wie überhaupt jedem menschlichen Streben neben seiner ernsthaften Intention immer auch die heitere Erkenntnis der eigenen Beschränktheit zugrunde liegt.

Von komischem Ernst und tragischer Heiterkeit erzählen auch Bilder wie jenes, das nach Angaben seiner Besitzerin einen „verliebten Mann“ zeigt: Auf Zehenspitzen beugt sich der Glückliche über den Schirm einer Bodenlampe, als lasse sich aus der Lichtquelle die eigene Zukunft herauslesen. Und oft ist es die Religion, die im Subtext dieser Erzählung mitschwingt. Etwa, wenn sich eine madonnengleiche „Maria Magdalena“ als Pop-Ikone eines Plattencovers inszeniert. Oder ein Buddha seine Finger zum Mund führt, um einen schrillen Pfiff auszustoßen.

Bilder der neunziger und beginnenden nuller Jahre dominieren diese Schau, das Spätwerk ist kaum vertreten. Als kurzfristig organisierte „Ehrbekundung“ aber vermag die kleine Ausstellung sehr wohl zu überzeugen. Und für die große Retrospektive ist ja immer noch Zeit.

Bis 29. September in der Kunsthalle Bremen, Am Wall 207. Öffnungszeiten: Di. 10-21 Uhr, Mi.-So. 10-17 Uhr.

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