Diana Damrau und Xavier de Maistre zu Gast bei Musikfest Bremen

Perfekter Einklang

Diana Damrau Foto: Jiyang Chen

Bremen - Von Wolfgang Denker. Sie gehört zu den derzeit international erfolgreichsten deutschen Opernsängerinnen, er steht als Harfenist weltweit an allererster Stelle. Die Rede ist von Diana Damrau und Xavier de Maistre. Bereits 2012 sollten beide einen Liederabend beim Bremer Musikfest gestalten. Doch Damraus Schwangerschaft machte damals einen Strich durch die Rechnung, dafür trat dann Mojca Erdmann an ihre Stelle. Aber diesmal hat es geklappt.

„Auf Flügeln des Gesanges“ lautet das Motto des Abends, der auch mit diesem und weiteren Liedern wie dem „Pagenlied“, „Suleika“, „Der Mond“ und „Des Mädchens Klage“ von Felix Mendelssohn Bartholdy eröffnet wird. Von Anbeginn an nimmt Diana Damrau mit der Schönheit, der Wärme und der Klarheit ihrer Stimme für sich ein. Sie versteht es meisterhaft, jeder emotionalen Nuance nachzuspüren und jedes Lied zu einem geschlossenen Ganzen zu formen. Die strömende Melodie des mottogebenden Liedes versieht sie mit feiner Pianodifferenzierung. Ob Leidenschaft, Liebessehnsucht oder tiefe Melancholie (wie in „Des Mädchens Klage“) wird in Damraus Interpretation unmittelbar nachvollziehbar. Leider klatschte das Publikum etwas unsensibel nach jedem Lied dieser ersten Gruppe, was Damrau aber mit sehr charmanten und herzlichen Worten für den weiteren Abend stoppen konnte.

Mit einigen Liedern von Sergej Rachmaninow (aus „Zwölf Lieder op. 21“) wird mitunter die Stimmung „russischer Schwermut“ beschworen. Sie geben Damrau die Möglichkeit, weit gespannte Melodiebögen zu singen. Da gibt es jubelnde Aufschwünge wie von Strauss („Die Antwort“), aber auch introvertierte, nachdenkliche Momente („Dämmerung“). Ein Glanzstück ist „Der Brunnen von Bachtschyssaraj“ von Alexander Vladimir Vlasow, das mit seinen virtuosen Ansprüchen und hymnischen Aufschwüngen einer Opernarie nahe kommt. Der zweite Teil führt mit Werken von Reynaldo Hahn und Francis Poulenc nach Frankreich. Hahns Lieder sind reizvolle Miniaturen und vom Charme des Eingängigen geprägt. Damrau singt sie mit Charme und bezaubernder Leichtigkeit. Dass sie sich die schlanke Mädchenhaftigkeit ihrer Stimme bewahrt hat, wird hier besonders evident. Ihre Stimme gleitet mühelos durch alle Lagen und klingt auch in der Höhe rund und unverfärbt. Den Zyklus „La courte paille“ schrieb Poulenc für den sechsjährigen Sohn der Sängerin Denise Duval. Es sind sieben ganz kurze Lieder, die einen kecken Erzählton verlangen. Damrau trifft den Witz dieser Stücke punktgenau, der sich aber noch mehr erschlossen hätte, wenn sie in deutscher Sprache erklungen wären. „Les chemins de l’amour“ von Poulenc könnte mit seinen Walzeranklängen und seiner üppigen Melodik aus einer französischen Operette stammen und bietet Gelegenheit zu opulenter Stimmentfaltung.

Xavier de Maistre an der Harfe ist weit mehr als „nur“ ein Begleiter. Sicher – die Ausdrucksmöglichkeiten der Harfe reichen nicht immer an die eines Klaviers heran. Aber de Maistre begleitet mit feinsten Nuancen und lässt die Harfe geradezu wie ein Tasteninstrument „singen“. Die dynamische Bandbreite ist bemerkenswert. Mal lässt er sein Instrument süffig aufrauschen, mal klingt es filigran wie eine Spieluhr. Mit zwei Solostücken demonstriert er die reichen Ausrucksmöglichkeiten der Harfe: „Le rossignol“ von Franz Liszt und „Légende“ von Henriette Renié zeigen eine virtuose, ausdrucksvolle Bandbreite, mit der man märchenhafte Stimmungen erzeugen kann, mit perlenden Läufen, mit fahler oder glanzvoller Klangerzeugung. Dass ihm vor seinem zweiten Solostück eine Saite riss, brachte de Maistre nicht aus der Ruhe. Nach kaum fünf Minuten war das Malheur behoben.

Mit den drei Zugaben – „Nichts“ und das „Wiegenlied“ von Richard Strauss sowie „Villanelle“ („Die Schwalbe“) von Eva Dell’Acqua – setzen Damrau und de Maistre schließlich den glanzvollen Schlusspunkt.

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