Stadtmuseum Oldenburg erinnert umfassend an den Künstler Richard tom Dieck

Mit Palette und Pinsel in die Natur

Richard tom Dieck: Alexanderheide. Öl/Lwd, 1925

Oldenburg - Von Rainer Beßling · Die Wände im Stadtmuseum Oldenburg sind voll. Wer bislang wenig von der künstlerischen Produktivität Richard tom Diecks wusste, wird sofort erkennen können: Der Mann war fleißig.

Umso bemerkenswerter, als dieser in mehreren Ämtern und Funktionen die Kunstszene Oldenburgs in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts kuratorisch mitprägte.

Als Mitzwanziger für einige Jahre Theatermaler, dann restauratorisch ausgebildeter Kustos der großherzoglichen Sammlungen, Vorstand des Oldenburger Kunstvereins, rühriger, erfolgreicher Ausstellungsmacher und Zeichenlehrer – das sollte den Tag eigentlich füllen. Doch Richard tom Dieck (1862-1943) schuf nicht nur für seine pädagogische Tätigkeit selbst umfangreiches Anschauungsmaterial in den klassischen Gattungen. Er folgte auch der künstlerischen Gewohnheit der Jahrhundertwende und fuhr mit Palette und Pinsel in die Natur. Die Landschaft wurde zu seinem Sujet. Rund um das wenig industrialisierte Oldenburg gab es davon reichlich, in relativ unberührtem oder doch zumindest idyllisch anmutendem Zustand.

Rund 160 grafische Arbeiten aus allen Werkphasen sowie circa 270 Ölarbeiten in kleinem und mittlerem Format neben ausgewählten Dokumenten zur Vita bietet die Schau anlässlich des 150. Geburtstages des Multitalents. Immer noch eine kleine Auswahl angesichts der 4 000 Stücke des Nachlasses im Stadtmuseum Oldenburg.

Dass tom Dieck zu Lebzeiten als Künstler kaum präsent war, hängt mit seinem Berufsethos zusammen: Niemand sollte den Eindruck gewinnen, er habe seine Möglichkeiten und Verbindungen als Kustos und Kurator zur Beförderung des eigenen künstlerischen Werkes genutzt. Erst dem Ruheständler wurde 1932 zum 70. Geburtstag eine Überblicksausstellung im Augusteum gewidmet.

Nun bietet das Stadtmuseum die Möglichkeit zur Übersicht und zum Urteil. Dabei mutet die Hängung eher wie ein Blick in die Werkstatt an. Pappen und kleine Leinwände auf große Platten gepinnt, nach Motivgruppen geordnet – das weist Studien- und Skizzencharakter aus und dokumentiert, dass sich ein technisch versierter Maler zwischen Inszenierung und Abbildung der Natur, zwischen koloristischer Delikatesse und kompositorischer Balance kaum Ausbrüche und Experimente gönnte. Jürgen Weichardt ebnet in seinem lesenswerten Katalogbeitrag Wege zum Verständnis und zur Bewertung Richard tom Diecks. Besucher sollten für den Rundgang viel Zeit mitbringen.

Stadtmuseum Oldenburg, bis 26. August. Di-So 10-18 Uhr. Eintritt 3 Euro. Katalog.

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