Oldenburgisches Staatstheater eröffnet mit zwei Barockopern die Spielzeit

Opernabend mit Gefälle

Ann-Beth Solvang ist Venus und Dido, im Hintergrund: die Tänzerin Renate Nehrkorn als Double. Foto: Stephan Walzl

Oldenburg - Von Erik Hermann. Das Oldenburgische Staatstheater hat seine Kompetenz in Sachen Barockoper in den vergangenen Jahren mit Werken von Händel, Hasse oder Rameau wiederholt bewiesen. Dabei ging es immer um bedeutende Werke. Das war bei der Eröffnungspremiere der neuen Saison im Kleinen Haus nicht unbedingt der Fall.

Präsentiert wurden die beiden Kurzopern „Venus and Adonis“ von John Blow und „Dido and Aeneas“ von Henry Purcell. John Blow (1649 bis 1708) war ein Zeitgenosse von Henry Purcell (1659 bis 1695) und mit diesem gut bekannt. Purcell war zeitweilig sogar Blows Schüler. Während Purcells Werke wie „Dido and Aeneas“, „The Indian Queen“ oder „The Fairy Queen“ regelmäßig auf den Spielplänen erscheinen, sind Blows Werke weitgehend in Vergessenheit geraten. So gesehen ist dem Oldenburger Haus mit „Venus and Adonis“ eine veritable Ausgrabung gelungen. Ob sie sich wirklich gelohnt hat, dürfte Geschmackssache sein. Denn die Musik von Blow fällt gegenüber der von Purcell doch deutlich ab.

Trotzdem sind beide Werke eng miteinander verknüpft, weshalb Regisseur Thomas Ribitzki sie wohl auch zu einem Abend gekoppelt hat. Sowohl bei Venus wie auch bei Dido geht es um den tragischen Verlust einer Liebe. Venus huldigt zunächst dem Lustprinzip und der freien Liebe. Erst als sie ihr fortschreitendes Alter realisiert (Ribitzki verdeutlicht das sehr sinnfällig durch eine Tänzerin, die als gealtertes Double von Venus auftritt), entwickelt sie echte Gefühle für Adonis. Der wurde aber inzwischen bei einem Jagdausflug tödlich verwundet. Dido trauert um ihren gestorbenen Ehemann und ist zunächst nicht bereit für eine neue Liebe. Ihre Vertraute Belinda bestärkt aber ihre aufkommende Zuneigung zu Aeneas. Eine Zauberin, die Didos Glück zerstören will, lockt Aeneas durch Vorspiegelung eines göttlichen Auftrags von ihr fort. Sie bleibt zurück und sieht im Leben keinen Sinn mehr.

Thomas Ribitzki hat mit den Möglichkeiten des Kleinen Hauses sinnfällig inszeniert. Ein riesiger Hintergrundprospekt zeigt ein Gemälde von Rubens mit dem Motiv von Venus und Adonis. In der ersten Oper, die die Bezeichnung „Masque“ trägt und mit vielen Tanzszenen angereichert ist, setzt er zunächst auf Elemente der Komik. Der Liebesgott Cupido (eine quirlige Variante des Puck im „Sommernachtstraum“) zieht die Fäden, unterrichtet kleine Amoretten in der Liebeskunst und schießt munter mit seinen Liebespfeilen. Der Cupido kommt eigentlich nur in der Blow-Oper vor, aber Ribitzki versetzt ihn auch in die Purcell-Oper. Die formale und inhaltliche Verzahnung beider Werke wird damit unterstrichen. Bei Purcell steht allerdings die Tragik Didos im Mittelpunkt.

Ann-Beth Solvang singt beide Partien, Venus und Dido, bravourös, mit viel Glanz und Wärme in der Stimme. Das Lamento der Dido, eine der zeitlosen Szenen der Opernlitaratur, gestaltet sie bewegend. Leonardo Lee punktet als Adonis und Aeneas mit markantem, kernigem Bariton. Erica Back ist ein schelmischer Cupido, Martyna Cymerman eine anmutige Belinda. Melanie Lang gibt der Zauberin dämonische Züge. Ob sich Paul Brady unbedingt als Counter versuchen musste, sei dahingestellt.

Kinderchor und der teilweise aus dem Zuschauerraum singende Chor erfüllen ihre Aufgaben bestens. Das gilt auch für Thomas Bönisch, der das 16-köpfige, überwiegend mit Streichern besetzte Orchester umsichtig leitet.

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Weitere Vorstellungen am 9., 15., 22. September und am 4., 12. und 26 Oktober.

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