Stadttheater Bremerhaven zeigt „Gier nach Gold – McTeague“

Die Oper mit der Goldkante

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Da ist Trina (Tijana Grujic) allerdings schon tot.

Bremerhaven - Von Rolf Stein. Anlässlich der europäischen Erstaufführung der Oper „McTeague“ vor gut drei Jahren grub ein Kritiker eine alte Geschichte aus, die den deutschen Titel des Werks von Pulitzer-Preisträger William Bolcom – „Gier nach Gold“ trefflichst illustriert: Erich von Stroheim verfilmte 1924 den Roman „McTeague“ von Frank Norris aus dem Jahr 1899 als Stummfilm. Die erste Fassung habe rund acht Stunden gedauert. Die Produzenten strichen den Film allerdings gnadenlos zusammen – um ihn besser vermarkten zu können.

Dass man allerdings im Sinne erzählerischer Ökonomie die Geschichte des falschen Zahnarztes und seinem Fall auch in weniger als drei Stunden erzählen kann, ist derzeit am Stadttheater Bremerhaven zu begutachten. Regisseur Matthias Oldag, der an gleicher Stelle schon Gian Carlo Menottis inszenierte, hat Bolcoms Oper – das Libretto verfassten Arnold Weinstein und Robert Altman – klar konturiert auf die Bühne gebracht.

Erzählt wird die Geschichte des Titelhelden, der nach ärmlicher Kindheit und Wanderjahren mit einem fahrenden Zahnarzt endlich im San Francisco des Jahres 1900 seßhaft wird. Wenig später spannt er seinem alten Freund Marcus Schouler dessen Freundin Trina aus, was jenen erst dann bekümmert, als sie in der Lotterie gewinnt. Er denunziert McTeague beim Gesundheitsamt. Trina will ihren Lottogewinn allerdings nicht antasten. Wer weiß, ob man das Geld nicht eines Tages gebrauchen kann. 

Brennend heißer Wüstensand macht McTeague (James Allen Smith) in „Gier nach Gold“ zu schaffen.

Das junge Paar versinkt in materiellem und menschlichem Elend, McTeague bringt Trina schließlich um und muss die Stadt verlassen. Ein Kopfgeld lockt Häscher auf seine Spur – und auch Schouler. Schließlich hat McTeague auch den Lottogewinn mitgenommen. Es kommt zum Showdown im Death Valley, den schließlich keiner der beiden überlebt. Und die Moral von der Geschicht wissen wir an dieser Stelle freilich längst.

Nun ist das Opernpublikum in dieser Hinsicht Kummer gewohnt. Entscheidend ist nicht zuletzt, ob das dramatische Geschehen musikalische Funken schlägt. Und das tut es durchaus. Gewiss, Bolcoms Musik, 1992 uraufgeführt und für die Linzer Premiere 2016 noch einmal bearbeitet, ist kein grundstürzender Neuentwurf des Genres. Im postmodernen Bestreben, die Grenzen zwischen Hoch- und Populärkultur einzureißen, verbindet sie Anleihen bei Britten, Jazz, italienischer Oper, Ragtime, Gershwin, Weill und noch einiges mehr zu einer bekömmlichen Mischung.

Oldag hat den Abend für die deutsche Erstaufführung klar konturiert: Gerahmt von einem eindrücklichen Wüstenbild, entwickelt sich die Geschichte vor allem im städtischen Treiben San Franciscos, das Susanne Richter (Bühne und Kostüme) historisierend auf mehreren verstellbaren Ebenen darstellt.

Während Marc Niemann das Philharmonische Orchester Bremerhaven souverän durch die verschiedenen Farben der Partitur führt, sind es vor allem drei Stimmen, die einen Besuch des nicht durchgängig zwingenden Abends nahelegen. Da wäre die Hauptpartie, die der US-Amerikaner James Allen Smith mit enormer Kraft und großer Intensität stemmt. Noch nachhaltiger wirken die beiden zentralen Frauenfiguren, die übrigens beide am Ende jeweils dem Wahnsinn verfallen: Tijana Grujic als Trina und Patrizia Häusermann als Putzfrau Maria sind darstellerisch so überzeugend wie gesanglich.

Selbst sehen:

Am Freitag, 5. April, Mittwoch, 10. April, Samstag, 20. April, jeweils ab 19.30 Uhr, sowie am Sonntag, 12. Mai, 15 Uhr, Großes Haus, Stadttheater Bremerhaven.

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