Oldenburgs neuer Intendant Christian Firmbach zieht eine erste Bilanz / Nächste Premiere: „Pinocchio“

Es gibt nur ein Problem: Zu wenig Platz

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Alle wollen den „Vetter“ sehen: Die Operette kommt auf eine Auslastung von 99 Prozent.

Oldenburg - Von Mareike Bannasch. Mehr Oper und ein stärkeres musikalisches Profil: Diesen Auftrag hatte Christian Firmbach im August des vergangenen Jahres im Interview mit dieser Zeitung formuliert, kurz bevor er seine erste Spielzeit als Generalintendant des Oldenburgischen Staatstheaters begann. Fünfeinhalb Monate ist der Wechsel an der Spitze des Hauses nun her: Zeit, eine erste Bilanz zu ziehen. - Von Mareike Bannasch.

Und es ist eine durchweg positive, die Firmbach da gestern Morgen bei einer Pressekonferenz präsentierte, um das schon einmal vorweg zu nehmen. So haben seit Beginn der Spielzeit im September mehr als 84000 Zuschauer die Inszenierungen des Staatstheaters gesehen. Doch nicht nur das, auch die rückläufigen Zahlen der Abonnements wurden erstmals gestoppt und können laut Firmbach wieder an Werte aus dem Jahr 2006 anknüpfen. Beim Publikum scheint der Wechsel an der Spitze und im Ensemble also anzukommen – und zwar in allen Bereichen. So verzeichnet die Opernsparte bislang eine Auslastung von etwas über 91 Prozent, Spitzenreiter sind hier „Evita“ (103 Prozent) und „Der Vetter aus Dingsda“ (99 Prozent). Aber auch das Schauspiel kommt in der ersten Firmbach-Spielzeit auf mehr als 80 Prozent. „Das ist eine neue Erfahrung für mich: Die Stücke sind nicht irgendwann vorbei“, bestätigt Firmbach, der den Spielplan laufend der hohen Nachfrage anpassend muss, dabei allerdings auf ein Problem stößt: den fehlenden Platz. „Ich könnte im Moment wirklich anbauen.“

Ein Bereich, in dem sich seit September wohl am meisten geändert hat, ist die Tanzsparte und zwar nicht nur dem Namen nach. War die Rückkehr zum Ballett-Begriff einigermaßen kritisch beäugt worden, erwarben sich die Inszenierungen laut Firmbach ziemlich schnell die Gunst des Publikums. „Es kam wahnsinnig gut an.“ Bislang hatten zwei Produktionen, jeweils aus der Feder des Hauschoreographen Antoine Jully, Premiere. Die Konzentration auf eigene Inszenierungen war dabei durchaus gewollt, berichtet Ballettdirektor Burkhard Nemitz. So habe sich die neue zehnköpfige Compagnie, die aus 700 Bewerbern zusammengestellt wurde, zunächst darauf konzentrieren können, zusammenzuwachsen. Nicht ganz unwichtig, immerhin ist das Oldenburger Engagement für einige der Tänzer ihr erstes überhaupt an einem Theater.

Mit einem neuen Ensemble ist auch Chefdramaturg Marc-Oliver Krampe gestartet, der mit fast schon väterlichem Stolz auf die Inszenierungen des Schauspiels blickt. Klar, dass auch er von einer mehr als zufriedenstellenden Auslastung berichtet – für Krampe nicht unbedingt selbstverständlich. „Das Publikum hat eine Theaterleidenschaft, die ich so nicht erwartet hätte“, schildert der Chefdramaturg.

Also nur gute Nachrichten vom Staatstheater? Nicht ganz, denn ein Sorgenkind hat der neue Intendant: „Pinocchios Abenteuer“. Am 22. März feiert die Kinderoper von Jonathan Dove Premiere im Großen Haus und tut sich in der Zuschauergunst noch etwas schwer. Offenbar würden viele die Inszenierung fälschlicherweise für ein zweites Weihnachtsmärchen halten. Ein Irrtum, der fast schon wie ein Luxusproblem anmutet, angesichts dieser Bilanz.

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