Oldenburg probt den Schirach

Das bisschen Terror

Der angeklagte Offizier und sein Anwalt
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Der angeklagte Offizier und sein Anwalt

Oldenburg - Von Rolf Stein. Peter Ustinov hat einmal in einem Interview gesagt: „Ich denke, der Terrorismus ist ein Krieg der Armen und der Krieg ist der Terrorismus der Reichen.“ Die Entführung eines Flugzeugs mit rund160 Passagieren durch einen mutmaßlichen Islamisten, wie sie Ferdinand von Schirach in seinem Stück „Terror“ imaginiert, wäre demnach Teil des Krieges einer, sagen wir, unterprivilegierten Gruppe gegen eine ökonomisch wie militärisch weit überlegene Macht. Im Sinne der Rede von Fluchtursachen und anderen höchst gegenwärtigen Debatten ein erwägenswerter Gedanke. Schließlich ist es in aller Regel weit nachhaltiger und wirkungsvoller, Ursachen zu bekämpfen als Symptome. - Von Rolf Stein.

Ferdinand von Schirach, dessen Stück „Terror“ in dieser Spielzeit an sage und schreibe 16 deutschen Bühnen zu sehen ist oder sein wird (am 20. Februar ist Premiere am Oldenburger Staatstheater), interessiert sich für derlei Dinge allerdings nicht. Eher für den Ort, an dem die geteilte Gewalt des bürgerlichen Staates zu sich kommt: am Gericht, das über die Rechtmäßigkeit aller Dinge einer Gesellschaft im Zweifelsfall entscheidet und entsprechende Maßnahmen verfügt, um den Rechtszustand wieder herzustellen.

Was zunächst also schwerst zeitgemäß erscheinen könnte, entpuppt sich eher als beinahe klassischer Popcorn-Stoff mit einer Prise Mitmacherei (vulgo: Interaktivität), was der Neigung entgegenkommt, die Erscheinungen dieser Welt mit den eigenen Moralvorstellungen abzugleichen was beim Filmkonsum im Allgemeinen ohnehin anfällt, wenn sich Gut und Böse beharken.

Nur dass, anders als in Schirachs Stück, am Ende das Publikum den Richterspruch hinnehmen muss, während hier per einfacher Mehrheit abgestimmt wird: Freispruch oder Strafe.

Die zusätzliche Dosis Realismus, die die Probeaufführung der Inszenierung von Peter Hailer im Oberlandesgericht Oldenburg am Freitag dazuliefert, kann allerdings auch nicht die Konstruiertheit des Procedere verhehlen, das uns alle zu Richtern macht. Natürlich ließe sich ein derartiger Prozess nicht in einer zweistündigen Sitzung inklusive Urteilssprechung verhandeln, noch dazu mit lediglich einem Zeugen und einer Nebenklägerin. Aber nun ist es ja auch Kunst, soll es zumindest sein, Theater. Und wirkt genau deswegen unentschieden.

Wie sich das nachher anfühlt, abstrakter, weil im noch weniger gerichtlichen großen Haus des Staatstheaters, wird sich bei der Premiere erweisen. Eine öffentliche Probe gibt es morgen ebendort.

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