Ausstellung im Horst-Janssen-Museum

Betörend bis anstößig - Janssens „Geile Sybillchen“

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Oldenburg - Von Irena Güttel. Horst Janssens erotische Fantasien sind kein Geheimnis. In seinen Werken hat er sie vielfach aufgegriffen. Eine Schau in Oldenburg gibt jetzt einen Überblick. Nicht alle Werke werden den Betrachtern gefallen.

Die zarten Radierungen zeigen Frauen in neckischen Posen. Sie vergnügen sich zu zweit, zu dritt, mit kleinen Peitschen oder umgeschnallten künstlichen Penissen. Auf anderen Bildern geht es heftiger zur Sache: Hagere Frauen liegen gefesselt im Bett. Sie sind mit Tieren zugange oder werden mit Folterwerkzeugen gequält. Erotische Fantasien beschäftigten Horst Janssen während seines gesamten Künstlerlebens. „Geile Sybillchen“ nannte er die Darstellungen, die von zärtlich bis brutal reichen.

Diesen Titel trägt auch eine Ausstellung im Oldenburger Horst-Janssen-Museum, die von Freitag an die gesamte Bandbreite von Janssens erotischem Werk abbildet. Zu sehen sind rund 200 Zeichnungen, Lithographien, Radierungen, Aquarelle und Holzschnitte von den späten 1950er bis in die 1990er Jahre. Janssen (1929-1995) konnte nicht ohne die Frauen, weder als Künstler noch privat. Dreimal war er verheiratet. Dazu kommt eine auch für Experten fast unüberschaubare Zahl von Freundinnen und Gespielinnen. Viele von ihnen dienten ihm als Inspiration, als Muse. „Durch sie konnte er über sich hinauswachsen“, sagt Stefan Blessin, Biograf und langjähriger Weggefährte Janssens. Der klassische Akt ist bei dem Grafiker jedoch nicht zu finden. „Er hat die Frauenkörper inszeniert, wie er sie im Kopf hatte.“

In zahlreichen Bleistiftzeichnungen füllt ein nackter Oberkörper das gesamte Bild. Porträts zeigen gestrichelte Mädchenköpfe, deren Gesichter von Haaren verhangen sind. Janssens Fetisch waren jedoch die weiblichen Arme. In den 1960er und 1970er Jahren tauchen sie immer wieder in seinen Bildern auf. Die Oberarme seiner dritten Frau Verena faszinierten ihn besonders. Die Scheidung von ihr veranlasste ihn nach Angaben der Ausstellungsmacher vermutlich zu der Serie „Les Bras“, in der Arme mit Kugeln und Stäben malträtiert werden. Janssens Bilder sind voller versteckter Andeutungen und anstößiger Symbolik. „Man muss sich meistens eingucken“, sagt Museumsleiterin Jutta Moster-Hoos.

In der Aquarellserie „Phÿllis“ sieht man auf den ersten Blick eine Biedermeier-Szenerie im Mondenschein. Doch bei genauerem Hinsehen erkennt der Betrachter krasse Sadomaso-Praktiken. „Rückschlüsse auf seinen Umgang mit Frauen lassen sich daraus aber nicht ziehen“, betont Moster-Hoos. Die Darstellungen seien reine Fantasie. Vor allem in späteren Jahren verarbeitet Janssen in seinen Werken schmerzhafte Trennungen und die quälende Sehnsucht nach jüngeren Frauen. So taucht er im Radierzyklus „Totentanz“ von 1973/1974, in dem Skelette und unheimliche Greise eine junge Frau umklammern, selbst auf.

Auch in der Folge „Brief an Mirjam“ von 1984 stellt er sich selbst dar: Ein alter Mann mit dickem Bauch treibt es mit zwei mageren, fast knabenhaften Mädchen. In seinem Spätwerk stehen die Frauen dagegen oft als die Überlegene da. „Alterspubertät“ oder „Greisenlust“ habe Janssen diese Phase bezeichnet, sagt Blessin. „Er wollte nicht mehr nach der Pfeife der Frauen tanzen.“ Gleichzeitig verzehrte er sich nach seinen deutlich jüngeren Geliebten und hatte Angst, sie zu verlieren. Als hüpfende und tanzende Nymphen tauchen sie in den „Drollereien“ auf. Janssen schrieb selbst dazu: „In all meinen Klecksereien obsiegt Feminina!“.

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