„Asterix erobert Rom“ erscheint neu

Ohne Sprechblasen wird‘s langweilig

Bremen - Von Mareike Bannasch. Cäsar ist mit seiner Geduld am Ende: Noch immer ist es seinen Legionären nicht gelungen, das letzte gallische Dorf plattzumachen. Schlimmer noch: Mittlerweile macht das Gerücht die Runde, dass die Barbaren aus dem Norden gar Götter seien. Solch eine Heldenverehrung kann der Herrscher in Rom natürlich nicht zulassen und macht den unbeugsamen Galliern ein Angebot, das sie nicht ablehnen können. Sollten sie zwölf übermenschliche Aufgaben bestehen, bekommen sie alles: die Macht über das Römische Reich, den Lorbeerkranz und natürlich den Status als Götter.

Man muss kein Hellseher sein, um zu wissen, wie der Zeichentrickfilm „Asterix erobert Rom“ ausgeht. Angelehnt an die Sage des Herakles, der nach dem Bestehen von zwölf Aufgaben in den Olymp aufgenommen wurde, ist der Streifen 1976 in den Kinos angelaufen und bis heute der erfolgreichste Asterix-Film aller Zeiten. Zum 40. Jubiläum der Verfilmung hat der Egmont-Ehapa-Media-Verlag nun ein Album zum Film herausgebracht – und hätte das lieber sein lassen sollen. Denn das 80 Seiten starke Heft ist leider kein Comic der alten Asterix-Schule, sondern ein großformatiges, lieblos zusammengeschustertes Bilderbuch, das man bestenfalls solide nennen kann. Hier gibt es keine Sprechblasen, kein „Puff“, „Bäng“ oder „Bähm“, stattdessen jede Menge Text, an den sich ganzseitige Illustrationen schmiegen. Gewiss, die bisher unbekannten Bilder aus dem Archiv des Zeichners René Goscinny sind durchaus liebevoll mit Aquarellfarben koloriert worden, und wer den Film kennt, hat ziemlich schnell die passenden Szenen vor Augen – aber das war’s auch schon.

Trotz manch einer neuen Facette bleibt nämlich ein Haken, den Gelegenheitsleser der Reihe ebenfalls nicht ignorieren können: der Fließtext. Egal wie wohlwollend man es auch betrachtet, er bietet dem Leser eben nicht die Möglichkeit, in vielen Einzelbildern Anspielungen und kleine Details zu entdecken, manche auch erst nach dem zweiten oder dritten Mal. Zumal die Sätze nicht eins zu eins aus dem Drehbuch zum Film übernommen worden sind, sondern mit neuen vermischt wurden. Kein Wunder, muss im Buch zum Film doch die komplette Handlung erzählt werden, eine Aufgabe, die sonst die Zeichnungen von Albert Uderzo übernehmen.

Ein Beispiel gefällig? Jene grandios aus dem Leben gegriffene Behörden-Szene, in der die beiden Helden im „Haus das Verrückte macht“, den Passagierschein A 38 besorgen müssen, verkommt im neuen Heft zu einer öden Inhaltsangabe. Sie gibt zwar durchaus erinnerungswürdige Dialogfragmente wieder „Ohne rosa Formular kein Passierschein A 38. Schalter 12, Stiege B, Korridor J“, schafft es aber nicht, die Unbeweglichkeit der Angestellten auch nur im Ansatz zu vermitteln.

Da liegt es fast auf der Hand, dem Verlag zu unterstellen, sich auf Kosten des Rufs der Reihe noch einmal schnell bereichern zu wollen – ohne die Erbin des bereits 1977 gestorbenen René Goscinny und den Zeichner Albert Uderzo einzubeziehen. Aber weit gefehlt, Letzterer hat sich sogar bequatschen lassen, das Titelbild für das verunglückte Album zum Film zu zeichnen. Tja, vielleicht brauchte er ja Geld.

„Asterix erobert Rom – Das Album zum Film“, Egmont Ehapa Media Verlag, 80 Seiten; 6,99 Euro (E-Book), 7,99 Euro (Softcover) oder 15,50 Euro (gebunden).

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