Das Bremer Lautsprecher-Orchester gastiert in der Bremer Kulturkirche

Öffnet die Ohren

Neu hören: Das Bremer Lautprecher-Orchester mit Publikum in der Kulturkirche. 
Foto: Jan van Hasselt
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Neu hören: Das Bremer Lautprecher-Orchester mit Publikum in der Kulturkirche. Foto: Jan van Hasselt
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Bremen – Es ist durchaus anzunehmen, dass Sie den „Bolero“ von Maurice Ravel kennen, zumindest aber gehört haben, vielleicht in dem Film „Zehn – Die Traumfrau“ mit Bo Derek aus dem Jahr 1979, wo das Stück in einer, nun ja, epischen Bettszene zu hören ist. Aber nicht nur, dass Sie da vielleicht von den Bildern ein wenig abgelenkt waren, gibt es Gründe, dieses Stück noch einmal neu kennenzulernen. Gelegenheit dazu besteht jetzt in der Bremer Kulturkirche St. Stephani mit dem Bremer Lautsprecher-Orchester.

Das Bremer Uni-Orchester hat inmitten des Lockdowns das Werk neu aufgenommen, getrennt, jeder Musiker für sich daheim. Und in der Kulturkirche ist es nun zu hören, nicht nur wegen der neuen Aufnahme ganz neu und anders als wohl je zuvor: Aus 34 Lautsprechern, die im Kirchenraum verteilt sind. „Es ist, als ob man durch ein echtes Orchester geht“, erklärt Jan van Hasselt von der Bremer Projektgruppe Neue Musik (pgnm), die den Auftritt des wundersamen Klangkörpers organisiert hat.

Kein Ort im Raum, in dem das ganze Orchester wie im Konzertsaal oder auf der heimischen Stereoanlage als Ganzes zu hören ist. Die Aufnahme ist auf die verschiedenen Lautsprecher verteilt, die im Raum stehen – beinahe, als hätten sie die Corona-Abstandsregeln verinnerlicht. Die gelten freilich auch für die Besucher, die sich übrigens anmelden sollten: Ab kommender Woche dürfen maximal 20 von ihnen zur gleichen Zeit in der Kirche sein, bis dahin sind es lediglich 15.

Dass das Lautsprecher-Orchester sonst eher auf experimentelle elektronische Musik spezialisiert ist, unterschlägt das Programm, das noch etwas mehr als zwei Wochen lang die Kulturkirche beschallt, keineswegs. Gerade die Kombination, wenn nicht Konfrontation mit Werken von beispielsweise John Cage könnte dabei manches Ohr für Neue Musik öffnen. Dessen „Williams Mix“, für acht Tonbandgeräte, entfaltet sich hier ganz im Sinne des Komponisten als Raummusik: Wie auch der „Bolero“ klingt hier an keinem Ort die Musik gleich, und anders in der zweidimensionalen Stereo-Wiedergabe wird auch die Stille hörbar.

Zu sehen gibt es allerdings zum Bedauern der Organisatoren nicht die übliche „Besetzung“ des Orchesters. Aus ästhetischen Gründen blieben die ausgedienten Boxen vom Sperrmüll im Lager. Der Auftritt des Bremer Lautsprecher-Orchesters, schon immer irgendwo zwischen Installation und Konzert zu verorten, ereignet sich inmitten der aktuellen Ausstellung der Kulturkirche: „Himmelsrichtungen“ von Monika Fioreschy ist noch bis 19. Juli zu sehen.

Hören

Das gesamte Programm im Internet unter: www.kulturkirche-bremen.de/programm

Von Rolf Stein

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