Shakespeares „Richard III.“ am Stadttheater Bremerhaven

Oben auf verlorenem Posten

Hoch zu Ross: Richard III. in Lee Beagleys Bremerhavener Inszenierung von Shakespeares „Richard III.“. ·
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Hoch zu Ross: Richard III. in Lee Beagleys Bremerhavener Inszenierung von Shakespeares „Richard III.“. ·

Von Andreas SchnellBREMERHAVEN · Eine Nachrichtenstimme berichtet vom Fund der Überreste des historischen Richard III. vor gut einem Jahr in Leicester, ein schwarz-gelbes Band – Crime Scene! – läuft am Bühnenrand entlangt, ein Totengräber betritt die Szenerie und macht sich an einem Grab zu schaffen, dem wenig später eine halbverweste Gestalt entsteigt, hinkend: Richard III., der letzte Rosenkrieger, 1485 in der Schlacht von Bosworth gefallen.

Er ist eine der schillerndsten Shakespeare-Figuren, die schon manchen Schauspieler zu Höchstleistungen angespornt hat.

Andreas Möckel stellt den verschlagenen, missgestalten Bösewicht mit einer Note von Verzweiflung dar, die immer wieder mal in Wut umschlägt, mal in abgründige Depression. Ein explosiver Typ, dieser Richard, der bekanntlich rücksichtslos gegen seine Familie vorgeht, um König zu werden. Aber auch das verschafft ihm keine Ruhe, keine Befriedigung. Weshalb am Ende, die Schlacht ist schon verloren, sein Flehen nach einem Pferd bereits zutiefst resigniert daherkommt.

Die Verwandtschaft dieses Richard wird uns per Drehbühne (Bühne und Kostüme: Anna Siegrot) präsentiert. Dabei übernehmen die meisten Schauspieler gleich mehrere Rollen, wobei vor allem Kay Krause zu nennen wäre, der mal Herzog von Clarence, mal Lord Hasting, mal König Edward VI., mal die Herzogin von York ist, wobei er jeder Figur ganz eigene Facetten abgewinnt. Isabel Zeuner als Königin Margaret und Gerichtsschreiber sowie obduzierende Ärztin, Franziska Schlaghecke (Lady Anne und Edward, Prinz von Wales) und Sebastian Zumpe (Herzog von Buckingham und einer der Mörder) erledigen ihre Aufgaben ebenfalls mehr als ordentlich, während Sascha Maria Icks als Königin Elisabeth ein ebenbürtiger Widerpart für Möckel ist.

Was diesen Abend außerdem zu einem Hingucker macht, ist Anna Siegrots Bühnenbild, in dem Regisseur Lee Beagley das Geschehen mit Schattenspiel und Figurentheater um surreale Traumebenen erweitert. In Richards Albtraum von der drohenden Niederlage gelingt das mit einem gigantischen Pferdeskelett, auf dem Richard thront, zugleich ganz oben und schon auf verlorenem Posten, besonders eindrucksvoll, bevor uns der Schluss umso nüchterner auf den Boden der Tatsachen holt: Die Autopsie Richards, bei der sich offenbar weit mehr Spuren brutalen Missbrauchs fanden ließen als Anzeichen einer Verkrüppelung, erinnert uns daran, dass Shakespeare, auch wenn sich seine Historiendramen durchaus an den geschichtlichen Geschehnissen orientierten, eben immer auch ein Dichter war – und ein Kind seiner Zeit.

Weshalb sein Stück „Richard III.“ eben auch auch ein politischer Entwurf war, das vergangene Böse, dem umso strahlender die zeitgenössische Gesellschaft gegenübersteht. Und die ist bekanntlich stets noch die beste aller möglichen Gesellschaften.

Kommende Vorstellungen: am 7., 13. und 28. März, jeweils um 19.30 Uhr sowie am 9. März um 15 Uhr im Stadttheater Bremerhaven.

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