Nuria Rial und die Bremer Philharmoniker überzeugen mit Mozart

Gemälde der Gefühle

Ohne Koloraturengurgel: Nuria Rial interpretierte zwei Mozart-Arien mit fast vibratoloser Stimme und makelloser Legato-Technik.
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Ohne Koloraturengurgel: Nuria Rial interpretierte zwei Mozart-Arien mit fast vibratoloser Stimme und makelloser Legato-Technik.

Bremen - Von Ute Schalz-Laurenze. Die Wiedergabe von Wolfgang Amadeus Mozarts „Linzer“ Sinfonie im letzten Philharmonischen Konzert sollte ja sicher kein Hinweise auf Markus Poschners baldigen Weggang nach Linz sein. Trotzdem war die Assoziation unvermeidbar.

Die C-Dur-Sinfonie KV 425, 1783 in fünf Tagen „Hals über Kopf geschrieben“ (Mozart), strotzt nur so von der Lebensfreude und Kraft, die der Komponist in seinen ersten Wiener Jahren nach seinem entschlossenen Weggang aus Salzburg empfand. Ein Lebensgefühl, das er 1788 mit der auch in diesem Konzert gespielten Es-Dur Sinfonie KV 543 so nicht mehr hatte. Die groß besetzten Philharmoniker – ausgehend von zwölf ersten Geigen – boten ein eindrucksvolles Gefühlsgemälde der kontrastierenden Stimmungen, wenn Mozart dann doch über Chromatisierung und Moll in schmerzvollere Ebenen abtaucht.

Obschon es sich hier nicht um eine Aufführung in der historischen Aufführungspraxis handelte, gelang Poschner doch ein poesievolles Ineinander äußerst klarer Akzentuierung und Artikulation, eine Konzeption der sprachähnlichen Anlage: Frage und Antwort, These und Antithese, tiefes Gefühl und wiederum Befreiung daraus. Und wieder herrlich zu beobachten und zu hören die Deutlichkeit und das Wuseln der Mittelstimmen und zwar jeder einzelnen.

War in der Linzer Sinfonie sozusagen noch die interpretatorisch-konzeptionelle Anstrengung hörbar, hatten die Musiker und ihr Dirigent in der abschließenden Wiedergabe der Es-Dur-Sinfonie KV 543, die zur Trias von Mozarts letzten drei Beiträgen der Gattung gehört, alle materielle Erdenschwere regelrecht abgelegt. Es war sicht- und hörbar, wieviel Spontanes und vollkommen Unterschiedliches auf einmal wahrscheinlich nur in dieser Aufführung entstand: wie eine kraftvolle Skulptur das Menuett, verspielt, lustig und deftig das Trio, und schreiende Dissonanzen in der langsamen Einleitung, gewaltige dramatische Risse im Tonartenradius des ersten Satzes, manchmal barockes Pathos und dann wieder sinfonische Größe, und gleich wieder kammermusikaliche Transparenz. Und wie losgelassen und virtuos gefolgt vom Orchester betonte Poschner den gebrochenen Schalk und Witz im Finalsatz: nichts zu hören von der biographisch-tragischen Situation im Sommer 1788, die Zeit der Geldbettelbriefe an den Logenbruder Michael Puchberg.

Dazu erklangen zwei Mozart-Arien mit der hinreißenden katalanischen Sängerin Nuria Rial, die schon in Poschners Haydn-Projekt vor zwei Jahren so begeisterte. Weit davon entfernt, eine publikumsverführerische Koloraturengurgel vorzuführen, entschied sie sich mit der Arie der Zerlina und der Rosen-Arie der Susanne für zwei vollkommen nach innen gehende Situationen, die sie mit tiefster Seele erfüllte. Freilich auch mit betörender, nahezu vibratoloser Stimme und wirklich makelloser Legato-Technik. Und Rials kraftvoll emotionaler Ausdruck erlaubte ihr eine nahtlose Anbindung an die Werke ihrer Landsmänner Eduardo Toldrà und Joaquin Rodrigo, farbenreich begleitet von Poschner.

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