Heinz-Wilhelm Schnieders sammelt Spenden mit seiner Drehorgel

Nostalgische Alternative

„Ich bekomme jede Menge positive Resonanz“: Heinz-Wilhelm Schnieders mit seinem Lieblingsinstrument.
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„Ich bekomme jede Menge positive Resonanz“: Heinz-Wilhelm Schnieders mit seinem Lieblingsinstrument.

Aurich – Normalerweise wäre Heinz-Wilhelm Schnieders jetzt mit seiner Drehorgel auf den Weihnachtsmärkten in Norddeutschland unterwegs, um Geld für den guten Zweck zu sammeln. Im vergangenen Jahr erspielte der gebürtige Emder, der inzwischen in Aurich lebt, allein im Dezember rund 3 000 Euro für die Kindernothilfe. Da fast alle Weihnachtsmärkte wegen Corona abgesagt oder zumindest stark zurückgefahren wurden, nahm er stattdessen nun eine Doppel-CD mit bekannten alten und neuen Kinderliedern auf.

„Ich bekomme jede Menge positives Feedback“, erzählt Heinz-Wilhelm Schnieders, der sich seit seiner Jugend für Drehorgeln begeistert und damit nicht nur in seiner ostfriesischen Heimat unterwegs ist. „Das geht bis in den Harz, wo ich regelmäßig zu den Weihnachtsmärkten eingeladen werde“, sagt der 71-Jährige. „In der Adventszeit bin ich fast täglich im Einsatz. Die restliche Zeit ungefähr zwei- bis dreimal im Monat. Aber seit März geht wegen den Corona-Beschränkungen auch bei mir nahezu nichts mehr.“

Seine erste eigene Drehorgel hat sich Heinz-Wilhelm Schnieders zugelegt, als er in den Ruhestand ging. Zunächst erstand er ein Modell, das nach konventioneller Bauart mit Lochbändern funktioniert. Mittlerweile besitzt er eine moderne Variante, bei der die Pfeifen elektromagnetisch angesteuert werden. „Der Computer ersetzt nur das Lochband“, erläutert Schnieders das Prinzip. „Ansonsten läuft alles genauso so wie bei einer herkömmlichen Drehorgel.“

Auch wenn Puristen darüber die Nase rümpfen mögen, birgt die technische Aufrüstung einen entscheidenden Vorteil. Dadurch wird das Arrangieren von Musikstücken erleichtert. Und dieser Aufgabe widmet sich der gelernte Musiklehrer Heinz-Wilhelm Schnieders ebenfalls mit großer Leidenschaft. „Ich spiele ja nicht bloß einfache Volkslieder“, betont der Drehorgel-Mann. „Ich versuche mich genauso an Rock, Pop, Rap oder fernöstlicher und afrikanischer Folklore. Wenn zum Beispiel wieder einmal ein berühmter Rock-Star verstorben ist, schaue ich mir an, welche seiner Stücke sich für meine Zwecke eignen könnten. Das ist oft recht schwierig, weil mir wesentlich weniger Töne zur Verfügung stehen als einem Orchester oder einer Band. Wichtig ist, dass die Leute die Melodie wiedererkennen. Und da muss man manchmal schon ein bisschen tricksen.“

Impuls kam aus der Verwandtschaft

Abgesehen von toten Rock-Stars ist die eigene Verwandtschaft eine stetige Inspirationsquelle. Aus dieser Richtung kam letztlich auch der Impuls für die jetzt vorliegende Doppel-CD. Ursprünglich hatte Heinz-Wilhelm Schnieders einzelne Lieder daraus speziell für jedes seiner sechs Enkelkinder arrangiert und eingespielt. „Irgendwann erhielt ich die Rückmeldung, ich sollte die auf einem einzigen USB-Stick zusammenfassen“, erinnert er sich. „Da dachte ich mir, dann kann man genauso gut gleich eine komplette CD produzieren.“ Am Ende geriet der kreative Ausstoß dermaßen umfangreich, dass zwei Silberlinge entstanden sind. Neben traditionellen Volksweisen wie „Alle Vögel sind schon da“, „Hänsel und Gretel“ oder „Die Affen rasen durch den Wald“ enthalten sie Songs von Kinderliedermachern wie Rolf Zuckowski, Volker Rosin oder Fredrik Vahle.

Hinzu gesellen sich diverse zeitlose Evergreens, die Eltern und Großeltern mindestens genauso begeistern dürften wie deren Kinder und Enkelkinder, so zum Beispiel die Titelmelodien der TV-Serien „Biene Maja“, „Pippi Langstrumpf“ und „Paulchen Panther“ oder „Probier’s mal mit Gemütlichkeit“ aus Walt Disneys legendärer „Dschungelbuch“-Verfilmung, Henry Mancinis niedlicher „Baby Elephant Walk“ und Heino Gazes einst von Heinz Rühmann rührend interpretierte Ballade „La-Le-Lu“. Internationale Folklore wie „Old McDonald had a Farm“ das italienisch-schweizerische „Al canto del cuco“ und „Aramsamsam“ aus Marokko runden die aus insgesamt 32 Stücken bestehende Doppel-CD perfekt ab. Mit seinen beiden Tonträgern will Heinz-Wilhelm Schnieders nicht nur Geld für den guten Zweck sammeln, sondern auch das despektierliche „Leierkasten“-Image seines Lieblingsinstruments ein bisschen aufpolieren.

„In früheren Zeiten war die Drehorgel eines der wenigen Mittel überhaupt, um Melodien zu verbreiten und bekannter zu machen“, erklärt er. „Bei meinen Auftritten spüre ich immer wieder, dass ihr der Charme dieser längst vergessenen Epochen irgendwie doch noch weiterhin anhängt. Für mich ist und bleibt die nostalgische Drehorgel allen heutigen technischen Möglichkeiten inklusive Streaming-Diensten wie Spotify zum Trotz jedenfalls nach wie vor ein aktuelles Instrument.“

Hören

„Elefanten tanzen, Affen rasen und der Krebs kommt angelaufen – Ohrwürmer für Kinder auf der Drehorgel“, Doppel-CD, 12 Euro, erhältlich über die Buchhandlung am Wall, Burgstraße 52, 26 603 Aurich, Tel. 04941-2032, E-Mail: info@buchhandlungamwall.eu

Von Werner Jürgens

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