„Die Prinzen“ machen auf ihrer Jubiläumstournee in Bremen halt

Nostalgiker unter sich

Zum ewigen Prinzentum verdammt: Die alten Herren gehen zum 25. Geburtstag auf große Tour. - Foto: Olaf Heine

Bremen - Von Mareike Bannasch. Sie tragen enge Hosen, buntbedruckte Hemden und knallige Perücken: Pünktlich zum 25. Bühnenjubiläum haben „Die Prinzen“ noch einmal richtig tief in den Kostümfundus gegriffen und die ein oder andere Erinnerung an den Anfang ihrer Karriere ausgegraben.

Natürlich nicht einfach nur um des schrillen Auftritts willen, auch wenn man das bei der Leipziger Band nie ganz abstreiten kann. Nein, im Bremer Musicaltheater geht es am Montagabend vor allem darum, gemeinsam mit den Fans die guten alten Zeiten Revue passieren zu lassen. 1991 war es, als die Prinzen ihr erstes Album „Das Leben ist grausam“ herausbrachten. Eine Platte, die sich mehr als eine Million mal verkaufte und den Grundstein für eine bis heute andauernde Karriere legte. Auch wenn die Hallen mittlerweile kleiner und die Zuschauer älter geworden sind, sticht der perfekt ausbalancierte A-cappella-Gesang der Fünf noch immer auf dem Mainstream hervor.

Obwohl, ganz richtig ist das nicht. So greifen die Prinzen nicht nur ganz tief in die Klamottenkiste, sondern auch die Lichttechniker dürfen sich mal so richtig austoben. Da gibt es grelle Lichtblitze, leuchtende Jahreszahlen und glitzernde Reflexe, bis die Augen schmerzen – ein bisschen weniger wäre da sicher besser gewesen.

Aber die Prinzen haben nicht nur ihre Show auf modern getrimmt, auch ihre Musik ist mittlerweile im Mainstream angekommen. Leider. Denn bei den Songs für die neue Platte, oder das „Familienalbum“, wie es Krumbiegel nennt, haben sich die fünf Sänger ein ums andere Mal von Helene Fischer beeinflussen lassen. Harmonien gibt es hier zwar immer noch, nur leider gehen sie im weichgespülten Schlagersound unter. Offenbar reichen A cappella und aussagekräftige Texte als Verkaufsgarant nicht mehr aus. Allerdings scheint das Schwimmen auf der Schlagerwelle zumindest im Musicaltheater nicht zu fruchten, reagiert das Publikum doch deutlich zurückhaltender auf die neuen Stücke. Was nicht allein daran liegen könnte, dass sich diese Songs noch nicht ins kollektive Gehör der Fangemeinde eingebrannt haben.

Mögen die Arrangements auch Anlass zur Kritik geben, können zumindest die Texte noch immer höheren Ansprüchen genügen. Kritisch wie eh und je setzt sich die Band mit den Schräglagen der Politik auseinander und kommt dabei natürlich nicht an der Flüchtlingskrise vorbei. Keine Überraschung, haben die Prinzen als aus Sachsen stammende Band ja fast schon eine geografische Pflicht, sich gegen Rechts zu positionieren. Das tun sie auch, unter anderem mit dem Titel „Kann ich noch etwas für dich tun?“, der nicht nur als Anleitung für ein friedliches Miteinander verstanden werden will, sondern auch als Handbuch für den Umgang mit den Menschen, die bei uns Schutz suchen.

So richtig und wichtig solche Botschaften besonders im Moment auch sind, bejubelt werden die Sänger an diesem Abend vor allem dann, wenn sie die alten Hits herauskramen. Von „Küssen verboten“ über „Millionär“ bis zum „Mann im Mond“ ist alles dabei – und wird auf den Rängen frenetisch beklatsch und mitgesungen. Hier sitzen die Fans der ersten Stunde, und die wollen beliefert werden. Das wissen auch „Die Prinzen“, und so kommen nach zwei Stunden irgendwie alle zu ihrem Recht: Die Zuschauer, die sich noch einmal so jung fühlen möchten wie vor 25 Jahren – und die Musiker, die deutlich machen, dass sie trotz sichtbarer Alterserscheinungen noch immer eine gute Show abliefern. Solange sie sich aufs Wesentliche konzentrieren.

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