Das Hugo Wolf Quartett widmet sich in Bremen erneut seinem Lieblingsthema

Und noch einmal die Liebe

Fehlen nur noch die Instrumente: Das Hugo Wolf Quartett beim Fachsimpeln über sein liebeslastiges Programm. ·
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Fehlen nur noch die Instrumente: Das Hugo Wolf Quartett beim Fachsimpeln über sein liebeslastiges Programm.

Bremen - Von Ute Schalz-Laurenze. Wenn die wunderbaren Musiker des Wiener Hugo Wolf Quartetts nach Bremen kommen, liegt es ihnen offensichtlich daran, von der Liebe zu erzählen. Im Mai vergangenen Jahres spielten sie große Kammermusik, die sich Liebeserlebnissen verdankt und boten damit ein selten geschlossenes Programm. Jetzt waren sie wieder da und wieder ging es um Liebe, heimliche, zu damaligen Zeiten auch noch verbotene Liebe.

Alban Bergs „Lyrische Suite“, nach Pierre Boulez eines der größten Meisterwerke der Musikliteratur überhaupt, erzählt 1925 von des Komponisten Liebe zu der verheirateten Hanna Fuchs, er selbst war auch verheiratet.

Den Musikern gelang in der Glocke eine bewegende Wiedergabe von einer erschütternden Existentialität – denkt man nur einmal an die fast unhörbaren Piani oder die leidenschaftliche Wildheit so mancher mit allem Risiko gespielten Passagen. Solches vermittelt sich auch ohne die textlichen Erklärungen, die ja erst im Nachlass von Hanna Fuchs gefunden wurden. Und versteckt in der Bratschenstimme gab es auch noch ein „De Profundis Clamavi“-Gedicht von Charles Baudelaire, das nun Christiane Iven großartig sang. Keine Geheimnisse mehr? Die werden in dieser „latenten Oper“, wie Theodor W. Adorno das Werk nannte, trotzdem immer bleiben.

Hanna Fuchs und Alban Berg kamen nicht zusammen, auch nicht Richard Wagner und Mathilde Wesendonck, in die Wagner sich nach 22 Ehejahren verliebte. „Sie ist und bleibt meine erste und einzige Liebe“, war er sicher und vertonte fünf Gedichte der Hobbyliteratin als die „Wesendonck-Lieder“. Eine unerhörte Sehnsucht ist hörbar sowie die Nähe zu „Tristan und Isolde“. Die Klavierlieder wurden in einer eher belanglosen Streichsextettfassung gespielt und von Christiane Iven unüberbietbar gesungen: faszinierende Intonation, ungemein flexible Klanggebung, tiefe menschliche Reife im Stimmcharakter, großartig. Das ist Wagner-Gesang vom Feinsten.

Und dann gibt’s da noch die Liebe, von der uns Richard Strauss in seiner 1943 entstandenen Oper „Capriccio“ erzählt: Ein Dichter und ein Komponist kämpfen mit ihrer Kunst um eine Frau. Der Komponist schreibt ein Sextett: unverhohlenes Bekenntnis zur Tonalität und glasklare Tonschönheit. Schön gespielt vom Quartett – mit Annamaria Kowalsky und Marta Sudabra –, aber der Anachronismus war nicht zu überhören. Ganz besonders nicht, weil das Konzert mit einem ganz großen Stück ehemaliger Avantgarde eröffnet wurde: mit der 1825 entstandenen „Großen Fuge“ op. 133 von Ludwig van Beethoven, die für den Uraufführungskritiker nichts weniger als „chinesisch“ war. Alles stimmte in dieser interessanten Wiedergabe durch Sebastian Gürtler, Régis Bringolf, Thomas Selditz und Florian Berner: die radikale Herausarbeitung des Fragmentarischen, die besonderen und immer homogenen Klangfarben für immer wieder andere Atmosphären, die erbarmungslose Gehetztheit der Fuge (oder Fugen muss man sagen, denn es gibt ja mehrere). Begeisterter Beifall: Wiederkommen!

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