Zeichnungen aus dem „Goldenen Zeitalter“

Niederländische Geheimnisse in der Kunsthalle Bremen

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Aus dem Leben einer jungen Frau: Abraham van Dyck, Porträt eines Mädchens. Feder in Braun, braun und rot laviert.

Bremen - Von Mareike Bannasch. Vier Jahre Geduld, unzählige Arbeitsstunden und jede Menge Fingerspitzengefühl hat es gebraucht, nun sind sie zu sehen: rund 180 Zeichnungen niederländischer Altmeister – ein kleiner Teil der rund 950 Arbeiten umfassenden Bremer Sammlung. Unter dem Titel „Kühles Licht und weite See“ gibt die Kunsthalle nicht nur einen Einblick in einen bisher unbekannten Teil des Bestands. Sie rückt auch jenen Aspekt der musealen Aufgaben in den Vordergrund, der vor allem im Verborgenen geschieht: die Pflege und Konservierung der Kunstwerke.

Kuratorin Dr. Christien Melzer präsentiert die Arbeiten, die vor allem aus dem 17. Jahrhundert und damit dem „Goldenen Zeitalter“ der Niederlande stammen, in sieben Räumen, die sich jeweils mit unterschiedlichen Schwerpunkten beschäftigen. So gibt es in einem Raum, passend in Grün, Landschaftsdarstellungen zu sehen, während an anderer Stelle fein ausgearbeitete Figurenstudien ausgestellt sind, wie beispielsweise das in Rot, Braun und Weiß gehaltene Porträt eines Mädchens von Abraham van Dyck.

Aber nicht nur die Menschen selbst wurden von den niederländischen Künstlern aufs Papier gebannt, sondern auch ihre Lebenssituationen. Einer dieser Momente findet sich in der Zeichnung „Bauernschänke“ wieder, die zunächst als Arbeit von David Teniers II erworben wurde, aber wahrscheinlich ein Frühwerk von Adriaen Brouwer ist. Eine Vermutung, die Kuratorin Melzer vor allem an der Komposition des Werkes festmacht. So ähnelt der Aufbau auffällig deutlich Brouwers Gemälde „Kartenspieler“ – zwei Männer sitzen sich an einem Tisch gegenüber und spielen Karten, während andere zusehen und ein kleines Hündchen am rechten Rand durchs Bild huscht. 

Bremer Expertise in Museen gefragt

Allerdings gibt es einen sichtbaren Unterschied: Während die alles entscheidenden Karten in der Zeichnung leerbleiben, hat der Spieler im Gemälde vier Asse in der Hand – und damit gewonnen. Solche Vorzeichnungen finden sich an etlichen Stellen der Ausstellung, die nicht nur mit Meisterwerken wie Anton van Dycks „Samson und Dalila“ aufwarten kann. Die Kuratorin zeigt auch Werke von unbekannten Künstlern, die manches Mal überhaupt keine Künstler waren. Wie beispielsweise jener Matrose, der im Jahr 1698 eine mit Seegras bewachsene Muschel zeichnete, inklusive einer genauen Beschreibung.

Worauf es bei der Restaurierung der Blätter ankommt, ist im zentralen Raum der Schau zu sehen. Hier geht es neben den verschiedenen Zeichenmitteln natürlich vor allem um eins: Papier. So ist unter anderem ein Schöpfsieb mit Wasserzeichen für die Papierherstellung zu sehen. Die Wasserzeichen sind vor allem dann von Bedeutung, wenn es darum geht, Zeichnungen zu datieren – indem sie einer Papiermühle zugeordnet werden. Eine Aufgabe, mit der sich das Team der Kunsthalle in den vergangenen Jahren lange beschäftigt hat, und deren Kenntnisse nun in anderen Museen gefragt sind.

Ausstellung bis zum 1. Juli

Dass Restauratoren bei ihrer Arbeit mitunter auch überraschende Funde machen, zeigt sich in einigen Werken, die überall in der Ausstellung verteilt sind. Arbeiten wie „Mondscheinlandschaft“ von Anthonie Waterloo. Zu sehen ist ein mit schwarzer Kreide angelegtes und später mit dem Pinsel überarbeitetes Waldstück, über dem hell leuchtend der Vollmond prangt, während am Horizont der Nebel aufzieht. 

Eine idyllische Szenerie, die allerdings durchbrochen wird – von Buchstaben. Warum, macht ein Blick durch die Lupe oder auf die Tafel neben dem Werk deutlich: Waterloo hat die Landschaft auf ein bereits beschriftetes Stück Papier gezeichnet, einer Bestellung für seinen Schneider. Und so verbinden sich nun Buchstaben mit Zweigen und Zeilen mit Ästen zur malerischen Abendstimmung – als wäre es von Anfang an so geplant gewesen.

„Kühles Licht und weite See“ ist bis zum 1. Juli zu sehen.

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