Tanz aus Tel Aviv: Mayumana begeben sich in Bremen durch Zeit und Raum

Nicht mit voller Blase

Schlussapplaus mit stehenden Ovationen – die Akteure ließen sich vom Bremer Publikum feiern.
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Schlussapplaus mit stehenden Ovationen – die Akteure ließen sich vom Bremer Publikum feiern.

Bremen - Von Lars Warnecke. In welche Schublade lässt das Gesehene nur einsortieren? Moderner Zirkus? Musiktheater? Musical? Vielleicht nennen wir „Momentum“, die neue Show der multikulturellen Formation Mayumana am besten ein Hochgeschwindigkeits-Percussion-Akrobatik-Tanz-Gesang-Event.

Dessen zentrales Thema ist die Wahrnehmung von Zeit in all ihren Dimensionen. Das ist alles, nur nicht konventionell geraten. Seit gestern gibt die weltweit gefeierte Truppe aus Tel Aviv ihr Sommergastspiel im Musical Theater Bremen am Richtweg.

Dieses „Momentum“, es ist auch eine Multimedia-High-Tech-Show. Vor Beginn wird die Facebook-Seite des Ensembles auf eine riesige Leinwand projiziert, ein Akteur tauscht sich mit den Fans in aller Welt aus. Auch Fotos und Videos werden vom Publikum aufgenommen, um sie später in die Inszenierung zu integrieren. Das interaktive Intro ist ein Vorgeschmack auf die rasante Show, die mit ihrer Lasershow ein wenig an die Blütezeit von Jean Michel Jarre erinnert und mit Video-Loops sowie live aufgenommenen Klang-Schleifen arbeitet.

Der Auftakt wirkt zunächst entschleunigt. In Zeitlupe bewegen sich die Tänzer auf die Bühne, während Bilder im Hintergrund aufzeigen, dass sich die Welt der Bewegung aus Sicht einer Fliege sehr langsam gestaltet. Schon nach diesen wenigen Minuten ist das Timing erstaunlich, wie Choreographie, Videoprojektion, Licht und Ton perfekt aufeinander abgestimmt sind. Nach und nach ziehen die Performer, allesamt in knappe, robuste Straßenklamotten im Military-Style gekleidet, das Tempo an, offenbaren ihre ganze kraftraubende Agilität und ihr Talent.

Rhythmus, das typische Mayumana -Element, entsteht durch Klatschen oder Stampfen. Und es wird getrommelt. Sehr viel getrommelt, auf Krügen und Wassergläsern, in den ansonsten akrobatisch genutzten Klangkabinen des Baugerüstes und auf den Sitzhockern. Alles ist mit Mikrofonen verstärkt, selbst der Bühnenboden und die rollenden Podeste. Fast ein wenig altbacken wirkt da das klassische Instrumentarium mit Schlagzeug und E-Gitarre.

Einer der Höhepunkte in dieser Show ist erreicht, wenn mehrere Zuschauer im Saal aufgefordert werden, den Song „Smoke on the water“ zu intonieren. Sie müssen nur von ihrem Platz aus nacheinander an einer Strippe ziehen und den Anweisungen der Akteure folgen. Leider hat nicht jeder gleich den Rhythmus raus, sodass sich die Töne des Deep-Purple-Klassikers nicht immer zum großen Ganzen zusammenfügen. Ein bisschen Humor hier, ein wenig Schadenfreude dort – und es funktioniert.

Ebenfalls gelungen fällt der spielerische Umgang mit Bild- und Sound-Aufzeichnungen aus, die in Loops und Wiederholungsschleifen auf die Leinwand und über die Lautsprecher übertragen werden. Bestes Beispiel hierfür: Eine der Performerinnen wird dabei gefilmt, wie sie einmal zur Akustik-Gitarre, einmal zum Bass und letztendlich zur E-Gitarre greift, um kurze Passagen einzuspielen. Auch Tanz und Gesang gesellen sich hinzu. Diese Aufnahmen werden zusammenmontiert und ergeben einen eingängigen Popsong. Man möchte meinen, ein ganzes Orchester sowie einen Chor zu hören. Klasse!

Vielleicht noch ein Hinweis an jene, die die Show in den kommenden Tagen noch sehen wollen: Die Show wird durch keine Pause unterbrochen. Da sie eine Tanznummer mit Wasser enthält, bei der Mayumana mit dem Geräusch von fließendem Wasser spielen, sollte sich dem Vergnügen nicht mit voller Blase hingeben.

Die Tanztruppe gastiert noch bis Sonntag, 28. Juli, im Musical Theater Bremen. Tickets und Termine im Internet unter http://www.mayumana-show.de.

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