„Trialog“ in der Bremer Schwankhalle

Nicht in Tritt gekommen

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Tee für alle: „Trialog“ konnte in der Schwankhalle nicht überzeugen. ·t/M.

Bremen - Von Tim SchomackerKurz vor der Pause trat der Videokünstler Kyungwoo Chun vor die Publikumstribüne, suchte Freiwillige für eine Performance. Mit dieser begann der zweite Teil des Abends: Zwei Mal fünf Menschen standen einander im großen Schwankhallesaal gegenüber. Mit je einer Teetasse in Händen.

Chun schenkte ein. Die Aufgabe: Nach einem bestimmten Schritt- und Atemmuster die Bühne überqueren. Mit geschlossenen Augen. Klar verließen alle rasch die „sehende“ Laufbahn. Bis zwei zusammenstießen und eine Teeschale krachend zerbrach. Ein schöner Moment geregelten Zufalls. Wenn nicht der Autor des Ganzen, Chun selbst, hineingerufen hätte: „einfach weitermachen!“ Wenn man wirklich hätte beobachten können, was da passiert, wenn man Menschen in ein ästhetisch-soziales Gebilde tut. Und sie sich selbst überlässt.

Eine gewisse Mutlosigkeit klang bei diesem Hineinrufen mit. Verschiedener durchaus bemerkenswerter Materialien, Momente und Ideen zum Trotz, kam dieses zwischen Video, Musik, Inszenierung und Performance changierende Gastspiel, mit dem das in der Bremer Schwankhalle residierende steptext dance project die Kooperanten-Trias seiner nächsten Frühjahrs-Großproduktion (Helge Letonjas Choreographie „The Drift“) in Bremen vorstellte, nicht in Tritt. Neben Videoarbeiten Chuns gab es Kompositionen von Gerhard Stäbler und Kunsu Shim zu hören, die durch Bühnen- und Beamerbild einander an verschiedenen Stellen überlappten. Bisweilen einigermaßen ungewöhnliches Schlagwerk, ein klassischer Quartettsatz Streicher und die Stimme waren die musikalischen Ausgangsmaterialien.

Wunsch und Wille, „trialogisch“ zu etwas Gemeinsamem zu kommen, mittels audiovisueller und inszenatorischer Überlagerung und Wechselbeziehung gewissermaßen einen künstlerischen Mehrwert zu erzielen, der diverse Unterschiede reflektiert, waren zweifellos erkennbar. Zu selten aber erneuerten zugelassene oder komponierte gegenläufige Momente die Aufmerksamkeit in der insgesamt elegischen Laufrichtung. Überraschend zahm der Vokalpart in Stäblers „white spaces“ mit Bariton Martin Lindsay und dem Streichquartett der Duisburger Philharmoniker. Überraschend, weil der Komponist gerade den nichtsprachlichen Bereich der Stimme zwischen Schreien, Röcheln und Hauchen in den vergangenen Jahrzehnten so ausgiebig erkundete. Mit gefühlt angezogener Handbremse Shims kurzes Streichquartett, bei dem er die Spieler an wechselnden Positionen im Raum verteilt. Und wie im folgenden, ebenfalls gesanglich zum Quintett erweiterten „last night“ stets auf den Saiten und bei langgezogenen Tönen blieb.

Einzig die Videoarbeiten Kyungwoo Chuns, die jeweils mit Musikstücken des Abends korrespondieren, halten eine reizvolle Faszination (fast) durchgehend aufrecht. Augen, Hände und Schlüsselbeinpartien in Nahaufnahme werden zum übergroßen Mikrokosmos. Eine fast schwarze Leinwand entpuppt sich als Nachtbild einer entfernten Landstraße, das immer wieder von Scheinwerfern fahrender Autos zerrissen wird, lässt retinale Nachbilder entstehen.

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