Ausstellung zu Konkreter Kunst aus Bremen geht in die zweite Runde

Nicht nur für Spezialisten

Konkret: Ernst Matzkes „Inclination Nr. 1“. Foto: Matzke

Bremen - Von Rolf Stein. Es klingt fast unwahrscheinlich, aber Kurator Ingmar Lähnemann weiß zu berichten, dass die Ausstellung „konkret bremen I“, die bis Anfang Januar in der Städtischen Galerie Bremen zu sehen war, tatsächlich so eine Art Blockbuster war. Was auf dem Papier spröde klingt und in ihren Verkörperungen oft eher kühl als unmittelbar mitreißend wirkt, Konkrete Kunst nämlich, hat offenbar durchaus ein Publikum, auch ohne die ganz großen Namen.

Was derweil schon vorher bekannt war: Die Bremer Kunstszene ist so reich an Konkreter Kunst, dass es locker für zwei Austellungen langt – eigentlich sogar für drei: In wenigen Tagen eröffnet die Galerie Mitte im Ostertor unter dem Titel „Der lange Atem der Konkreten Kunst“ eine weitere Ausstellung zum Thema, dort und dann mit Arbeiten von dem Bremer Horst Scheffler und seinem im November 2018 gestorbenen Dresdner Kollegen Karl-Heinz Adler – durchaus auch eine Art Systemvergleich.

Die Städtische Galerie untersucht ab heute ein weiteres Mal, wie sich Vertreter von „klassischer“ Konkreter Kunst zu jungen Kollegen verhalten, die heute in geistiger Verwandtschaft arbeiten. Da stehen Arbeiten von Ernst Matzke, der schon in den 50er-Jahren mit der Konkreten Kunst in Berührung kam, neben einem Werk von Sebastian Dannenberg, der sich mit Ideen der Minimal und Conceptual Art auseinandersetzt. Vielleicht weil sich das in den 20er-Jahren entwickelte Konzept einer Konkreten Kunst nicht zuletzt negativ definiert, nämlich gegenstandslos, nicht-narrativ, nicht-figurativ, nicht abstrahierend, entindividualisiert, wie es die Städtische Galerie in ihrer Ankündigung umreißt, scheint sie offen genug, um auch für jüngere künstlerische und technische Entwicklungen anschlussfähig zu sein. Martin Voßwinkels „screenshots for Agnes Martin“ und „screenshot for Friedrich Vormdemberge-Gildewart“ sind schon technisch undenkbar ohne die Algorithmen der bekanntesten Suchmaschine der Welt, ohne Internet – und ohne dessen technische Anfälligkeiten: Zu sehen sind auf den erwähnten Bildern reihenweise Rechtecke, Vorschauen einer Bildersuche, bevor sie fertig geladen ist.

Geradezu klassisch dagegen die unbetitelten, scheinbar monochromen schwarzen Arbeiten von Katja Blum im vorderen Galerieraum. Natürlich dürfen da Erinnerungen an Malewitschs legendäres schwarzes Quadrat wachwerden, das auch in den nebenan zu geheimnisvollen Gebilden zusammengestellten Schellack-Platten von Wolfgang Wagner-Kutschker weiterzuleben scheint. Allerdings funktionieren beide Positionen auch aus sich selbst, ohne kunsthistorischen Referenzrattenschwanz. Blums mit Ölkreide und Grafit produzierte Flächen sind bei näherem Herantreten alles andere als einfach schwarz. Während Wagner-Kutschkers gleichfalls unbetitelte Skulpturen sich als buchstäblich schillernd erweisen.

So ist „konkret bremen II“ keineswegs nur etwas für Spezialisten. 13 klug kuratierte Positionen sind vertreten, neben den Genannten sind das Nicholas Bodde, Tobias Heine, Franziska Keller, Ulrike Möhle, Edeltraut Rath, Sabine Straßburger und Daniel Wrede.

Sehen

„konkret bremen II“, Eröffnung: Samstag, 19 Uhr, Ausstellung vom 26. Januar bis 29. März, Städtische Galerie Bremen.

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