Die „Rocky Horror Show“ gastiert im Januar im Musical Theater Bremen

Nicht ohne meine Wasserpistole

Der schönste Transvestit im ganzen Land: Rob Morton Fowler als Frank‘n‘Furter (l.) ist bald auf der Bühne im Musical Theater Bremen zu sehen. ·

Berlin - Von Mareike Bannasch. Rotes Licht scheint auf die Tür, Nebel behindert die Sicht. Mit einem rhythmischen Stampfen kündigt sich der Hausherr an. Im Licht der Scheinwerfer taucht er schließlich auf, lasziv die Hüften schwingend, in schwarzer Corsage, knalligen High-Heels und mit einer schwarzen Perücke auf dem Kopf: Frank‘n‘Furter alias Rob Morton Fowler, der charismatische Transvestit und unumstrittener Star der „Rocky Horror Show“.

Schon bevor Frank‘n‘Furter, später übrigens mit kurzem weiß-blonden Haar, die Bühne betritt, feiern die Zuschauer auf den Rängen eine Party, an der alle im Publikum beteiligt sind – ob sie wollen oder nicht. Genau genommen fühlt sich die Rezensentin sogar ein wenig ausgestoßen, da sie die Wasserpistole nicht vor Beginn der Vorstellung mit Wasser gefüllt hat. Denn so gibt es keine Möglichkeit, sich gegen den Regen zu wehren, der nicht nur Brad Majors und Janet Weiss auf ihrem Weg zum Schloss des Frank‘n‘Furter das Leben schwer macht, sondern sich auch im gesamten Zuschauerraum ausbreitet. Gegen den Sitznachbarn mit der Super-Soaker hilft dann auch kein provisorischer Hut aus alter Zeitung – ein Schirm wäre besser gewesen.

Unangenehmer, zumindest für die Spaßbremsen unter den Zuschauern, wird es, wenn die waschechten Fans des Musicals ihr Konfetti auspacken. – Angesichts der Menge müssen sie tagelang Blätter gelocht haben. Die weißen Kügelchen bleiben nicht nur auf der vom Regenschauer feuchten Kleidung hängen, sondern werden auch noch lange nach dem Ende der Vorstellung aus dem Haar rieseln.

Doch die Mitmachaktionen im Zuschauerraum sind nur die abwechslungsreiche Begleiterscheinung eines auch sonst äußerst mitreißenden Musicals. Natürlich sind zunächst einmal die bestens bekannten Lieder ein Garant für die Zufriedenheit der Zuschauer und den Hit-Charakter des Stückes. Wenn sich die Ersten von ihren Sitzen erheben, um gemeinsam mit den Darstellern den „Time Warp“ zu tanzen, spätestens dann sind Bühne und Zuschauerraum unwiderruflich miteinander verschmolzen. Dies ändert sich auch nach der Pause nicht, wenngleich alle großen Hits bereits gespielt wurden. Der Besuch der „Rocky Horror Show“ ist eben nicht nur ein unterhaltsamer Musical-Abend, sondern auch der Ausdruck eines ganz besonderen Lebensgefühls.

Alles steht und fällt aber nicht mit skurrilen Verkleidungen im Publikum oder mit prall gefüllten Wasserpistolen, sondern mit Rob Morton Fowler. Der ehemalige Formel-1-Automechaniker, der erst mit 25 Jahren seine Karriere am Theater begann, ist die ideale Besetzung für den charismatischen Transvestiten Frank‘n‘Furter. Nicht nur dass er das Kunststück beherrscht, als Mann auf halsbrecherisch hohen Stilettos zu laufen. Auch der Auftritt in Strapsen macht ihm nichts aus. Allerdings wirkt er in dieser Verkleidung nicht überzogen weiblich. Den ganzen Abend vergisst der Zuschauer niemals, dass unter all der Schminke immer noch ein Mann steckt, der einfach nur gelernt hat, auf High-Heels zu laufen und sich (nicht) mehr geniert, erotische Dessous zu tragen. Und diesen Bruch mit dem traditionellen Bild eines Mannes dazu nutzt, um das junge Paar jeweils separat voneinander zu verführen. Dies bedeutet einen nie wieder zu kittenden Bruch mit allen Werten des konservativen, prüden und zugleich naiven Amerika, das die beiden repräsentieren. Doch nicht nur schauspielerisch weiß Fowler zu überzeugen, auch stimmlich ist er ohne Zweifel das tragende Element der Produktion. Ob er nun leise gurrend Brad und Janet verführt oder in „Sweet Transvestite“ mit laut dröhnendem Bass zweifellos klar macht, wer der schönste Transvestit im Land ist. Aber in diesem Punkt sind sich die Zuschauer sowieso alle einig.

Die „Rocky Horror Show“ gastiert von Dienstag, 24. Januar, bis Donnerstag, 2. Februar 2012, im Musical Theater Bremen. Karten gibt es an allen bekannten Vorverkaufsstellen und unter http://www.programm-concept.de.

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