Regina Ziegler: Programmkino-Macher überleben nur mit viel Idealismus

Nicht ohne Leidenschaft

Erfolg mit Anspruch: Produzentin Regina Ziegler. ·
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Erfolg mit Anspruch: Produzentin Regina Ziegler. ·

Berlin - Von Elke VogelMultiplex gegen Arthaus-Kino: In vielen deutschen Städten dominieren die großen Kinoketten. Die Zahl der Programmkinos sinkt rapide, manchem Kinobetreiber fehlt das Geld für neue Technik und Ausstattung.

Nur mit „Liebe und Leidenschaft zum Film“ lassen sich kleine Kinos heute noch betreiben, sagt Filmproduzentin Regina Ziegler (68), die im vergangenen Jahr zusammen mit ihrer Tochter Tanja das Berliner Kino Filmkunst 66 gekauft hat. Auch wie sie sich die Zukunft des Kinos vorstellt, erklärt Ziegler im Interview.

Was für eine Chance haben kleinere Kinos Ihrer Ansicht nach heute überhaupt noch gegen die Multiplexe?

Regina Ziegler: Tanja und ich haben das Filmkunst 66 übernommen aus Liebe und Leidenschaft zum Film. Wenn wir von den Erträgen des Kinos leben müssten, würden wir wahrscheinlich in einer Jugendherberge wohnen. Wir sind ja nicht Kinobesitzerinnen geworden, um damit Geld zu verdienen, sondern um Filme auf die Leinwand zu bringen, die wir gerne zeigen wollen.

Dann kann man also ein Programmkino nur noch mit sehr viel Idealismus betreiben?

Ziegler: Das sehe ich so.

Welche Filme muss ein kleines Kino zeigen, um genügend Zuschauer ins Haus zu bekommen?

Ziegler: Gut liefen bei uns zuletzt Filme, die durchaus sehr anspruchsvoll sind: „The King's Speech“ mit Oscar-Preisträger Colin Firth, „Die Höhle der vergessenen Träume“ von Werner Herzog, „Das Blaue vom Himmel“ mit Hannelore Elsner und Juliane Köhler, „Dreiviertelmond“ mit Elmar Wepper und Wim Wenders' „Pina“. Das sind alles Filme, die wir uns auch gerne selbst anschauen.

Wie sieht der klassische Programmkino-Besucher aus?

Ziegler: Die kleineren Kinos haben ganz sicher ein Stammpublikum. Das Filmkunst 66 ist ein Kiezkino. Die Zuschauer, die zu uns kommen, erwarten ungewöhnliche Qualitätsfilme. Es gibt auch Leute, die zum Beispiel den französischen Erfolgsfilm „Ziemlich beste Freunde“, der bei uns gerade in der Spätvorstellung läuft, das dritte oder vierte Mal gesehen haben, weil ihnen der Film so gut gefällt.

Welche Rolle spielt die technische Ausstattung für kleine Kinos?

Ziegler: Unser Kino ist top ausgerüstet, voll digitalisiert und kann 3D-Filme zeigen. Nach wie vor ist es aber auch auf 35-Millimeter-Filme eingerichtet. Wir wollen unser Kino darüber hinaus umbauen und attraktiver gestalten. Das sind wichtige Überlegungen, dass Kinos Komfort bieten.

Wie sehen Ihre Umbaupläne aus?

Ziegler: Das verrate ich noch nicht – Überraschung!

Nicht alle Kinobetreiber können sich die digitale Umrüstung leisten...

Ziegler: Die Filmförderungsanstalt FFA, das Medienboard und Kulturstaatsminister Bernd Neumann fördern die Umrüstung finanziell. Aber natürlich muss man als Kinobesitzer auch ein entsprechendes Eigenkapital auf den Tisch legen.

Müsste der Staat die Programmkinos noch mehr unterstützen?

Ziegler: Kulturstaatsminister Neumann tut, was er kann. Er gibt dem Kino Perspektiven.

Wie sieht die Zukunft des Kinos aus?

Ziegler: Ich fände es toll, wenn in zehn Jahren die Filme per Satellit eingespielt werden und es gar keinen Kopientransport mehr gibt – und damit auch keine Raubkopien. · dpa

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