INTERVIEW Schwankhallen-Chefin Pirkko Husemann zur Coronakrise

„Nicht mit Klopapier zu vergleichen“

Zu viele, zu nah bei einander? Egal: Wegen Corona musste die Scvhwankhalle nicht nur „Oh My“ von Henrike Iglesias absagen. Foto: Paula Reissig

Bremen - Von Rolf Stein Und Mareike Bannasch. Mitte März verkündeten vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie die Bremer Kultureinrichtungen ihre Schließung – wie viele andere Einrichtungen des öffentlichen Lebens. Seit Kurzem wird über Lockerungen der Maßnahmen nachgedacht, Teile des Einzelhandels wie Buchhandlungen dürfen wieder öffnen. Theater allerdings nicht. Pirkko Husemann, Intendantin der Schwankhalle hat per E-Mail unsere Fragen beantwortet:

Wo sehen Sie die Kulturszene in Bremen nach sechs Wochen Lockdown?

Es ist klar geworden, dass es sich bei der Kultur um eine sehr verletzliche Branche handelt. Selbst wenn der jetzige Lockdown demnächst wieder gelockert werden sollte, ist die Krise für Theater, Kinos, Konzertveranstalter und Clubs ja noch lange nicht vorbei. Insofern gehe ich davon aus, dass es manche Akteure und Institutionen Ende des Jahres trotz der Soforthilfeprogramme und kreativer Lösungsansätze nicht mehr geben wird.

Bremens Kultursenator Andreas Bovenschulte hat in einem Interview mit unserer Zeitung Kultur als Grundnahrungsmittel bezeichnet. Warum müssen wir auf dieses Nahrungsmittel so lange verzichten?

Naja, die aktuelle Lage beweist, dass Kultur eben nicht mit Mehl oder Klopapier zu vergleichen ist. Kultur lebt überwiegend von der persönlichen Begegnung größerer Gruppen in geschlossen Räumen, und die ist derzeit nur eingeschränkt möglich. Dasselbe gilt ja mit Einschränkung vorerst auch für andere wichtige Bereiche wie die Bildung.

Die Kultureinrichtungen haben einen Teil ihrer Aktivitäten ins Internet verlegt. Gibt es Daten dazu, wie das angenommen wird?

Ich habe selbst zwischen Homeoffice und Homeschooling gar keine Zeit, mir diese Angebote anzusehen, höre aber von Kollegen, dass die Resonanz recht verhalten ist, ganz gleich, wie gut die Streaming-Formate sind. Das legt die Vermutung nahe, dass die Menschen gerade entweder anderes im Kopf haben oder eben andere Aktivitäten vorziehen.

Entstehen dabei möglicherweise Formate oder Inhalte, die auch nach der Krise Ihr Programm prägen werden?

Das ist durchaus vorstellbar. Denn die jetzige Situation produziert ja Angebote, die auch Menschen erreichen können, die sonst nicht den Weg in die Kultureinrichtungen finden.

Lassen sich die wirtschaftlichen Schäden für Ihr Haus beziffern?

Wir rechnen mit rund 25 000 Euro Verlusten aus dem wegfallenden Kartenverkauf und Einkünften am Tresen für die Zeit von Mitte März bis Juli.

Was könnte die Politik kurz-, mittelfristig und langfristig tun, um die Folgen der Krise abzufedern?

Es bräuchte kurzfristig maßgeschneiderte Soforthilfemaßnahmen, die der komplexen Arbeitsrealität der Kulturbranche gerecht werden, was bisher noch nicht optimal gelöst ist. Mittelfristig brauchen wir verlässliche Perspektiven, statt wöchentlicher Justierungen, da letztere für alle Beteiligten nur Mehrarbeit bedeuten. Langfristig braucht es eine Kampagne für die Stärkung der internationalen Kulturszene und die soziale Absicherung der Akteure, die teilweise auch schon vor der Coronakrise von der Hand in den Mund lebten.

Um möglichst schnell wieder öffnen zu können, wären neben verschärften Hygienemaßnahmen auch Besucherbeschränkungen denkbar. Haben Sie dazu Pläne in der Schublade?

Wir könnten unter Wahrung der Abstandsregeln Vorstellungen mit Bestuhlung für zehn bis 20 Zuschauer anbieten. Das rechnet sich nicht.

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