Ina Müller begeisterte ihre Fans in der vollbesetzten Bremer Arena

„Nicht so feist und fies“

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Bemerkenswerte Momentaufnahme in der Bremer Arena: Ina Müller ernst. ·

Bremen - Von Rainer BeßlingEs sind nicht die einzigen Zeilen, die besonders die Frauen im Publikum zu Begeisterungsstürmen hinreißen: „Mit Mitte 20 sind die Jungs noch süß / sind nicht so ranzig, nicht so feist und fies.“

Ina Müller schlägt zurück. Abschätzige Witzeleien von Männern über Frauen jenseits der 40, klärt sie das Publikum in der Bremer Arena auf, verdienen Rache. Und überhaupt: Zoten und Kalauer müssen nicht länger Männersache sein. Die Damenwelt holt auf, was die offene Aussprache über Begehrliches und Beschwerliches rund um Paare und Paarung, Alter und Falten betrifft. In Ina Müller hat sie eine treffsichere Sirene.

Größte Hallen füllt die Norddeutsche, auf kleinstem Raum pflegt sie gepriesene TV-Unterhaltung. Mediale Präsenz und ein einzigartiger Talent-Mix bescheren ihr eine Art Ausnahmestellung: Große Stimme, lockeres Mundwerk, Komödiantentum, Bodenhaftung mit Pflege des Plattdeutschen und eine höchst attraktive Erscheinung. Der Moderationsanteil bei einem Ina-Müller-Konzert wächst sich zu einer eigenen Comedy-Programmschiene aus. Doch manchmal können zu viele Talente auch stören.

Wenn Ina Müller mit schlüpfrigen Witzeleien und plakativen Pointen temporeich die lauten Lacher am laufenden Band provoziert, reibt sich das schon mal mit den poetischen Anteilen in ihren Liedern. Doch vielleicht ist auch das eher ein Plus und vergrößert die Fangemeinde: Bei dieser Sängerin und Performerin können sich unterschiedliche Gemüter aufgehoben fühlen. Leises und Lautes halten eine lebensnahe Balance. Gefühle bleiben immer geerdet, Gefühligkeit ist außen vor.

Viele Songs des Konzerts stammen aus dem dritten hochdeutschen Album der Sängerin: „Das wär dein Lied gewesen“. Auf der Scheibe finden sich richtig gute Lieder, die nicht zuletzt von der Vers kunst Frank Ramonds profitieren, aber auch von den musikalischen Qualitäten Alexander Zuckowskis.

Eingängig wird zum Beispiel „Brittpopp“ dadurch, dass die Geschichte um einen alternden Nostalgiker und der Refrain-Witz mit musikalischen Zitaten verschmelzen. Vor der „Wonderwall“-Soundkulisse dürfen wir uns ganz spezielle Retrowellen vorstellen: „Immer wenn ich Britt popp, hören wir Oasis“. Und „dann sind sie da, die 90er“.

„Die Nummer“ kreist um die Macht der Zahlen und die Ohnmacht, sich alles vom PIN über die Konfektionsgröße bis zu Terminverpflichtungen merken zu müssen. Schön, dass es „Nummern“ gibt, an die Mann und Frau sich zumindest am Folgetag noch gut und gerne erinnern.

In „Gleichberechtigung“ klingt Selbstironie im weiblichen Umgang mit dem wachsenden Frauenanteil in Cockpits oder OP-Sälen an. Eine wunderschöne Ballade verfehlt auch im großen komödiantischen Konzertformat ihre Wirkung nicht: „Fremdgehen“, ein Therapievorschlag für durch Dauer und Alltag zerriebene Lieben, mal das Vertrautsein vergessen. In einer ausgedehnten Version von „Let Me Entertain You“ können schließlich alle Musiker nochmal solistisch glänzen. Riesenjubel.

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