Petra Fiebigs Installation im Marcks-Haus

So was von nicht da

Verlassen: Petra Fiebigs Einrichtung im Gerhard-Marcks-Haus. ·
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Verlassen: Petra Fiebigs Einrichtung im Gerhard-Marcks-Haus. ·

Bremen - Von Johannes BruggaierDie Künstlerin dürfte so ziemlich die Letzte sein, der man zurzeit im Pavillon des Gerhard-Marcks-Hauses begegnet. „Ich bin nicht da“ hat Petra Fiebig schließlich ihre Rauminstallation genannt. Und wer die kleine Ausstellung betritt, dem bleibt festzustellen: stimmt. Ist tatsächlich nicht da.

Petra Fiebig ist sogar so was von nicht da, dass man sich als Besucher ganz einsam fühlt in ihrem verwaisten und gleichermaßen verweißten Wohnzimmer. Verweißt deshalb, weil der mittig platzierte Küchentisch, die links befindliche Kommode, der Kleiderschrank neben der Tür wie auch der Kühlschrank und der Ofen rechter Hand, weil also all diese Einrichtungsgegenstände mit einem blütenweißen Stoff bezogen sind. So weiß und glatt, dass man nicht zu sagen vermag, ob es sich um Papier handelt oder um Tapete. Sicher ist nur, dass die darauf angebrachten Muster mittels Bleistift schraffiert worden sind: Sternchen auf der Tischdecke, Holzfasern auf dem massiven Kleiderschrank, Herdplatten auf dem mittelalterlich anmutenden Ofen. Und: ein Biedermeier-Sofa an der Wand, ausladend, rund, mit Blümchenmuster.

Nichts fehlt in dieser eigentlich doch bloß dahingekritzelten Wohnung, nicht das „CE“-Zeichen auf der Rückseite des Transistorradios, noch die Energieklasse des Kühlschranks („A+“). Nicht einmal die üblichen Kinder-Krickelkrackelbilder, die an solchen Küchengeräten zu finden sind, sobald es sich um einen Familienhaushalt handelt. Es ist eine Detailtreue, die aus dem Fragmentarischen der Bleistiftzeichnung einen ungeahnten Realismus entwickelt. Man fühlt sich wie ein Unbefugter in fremden Gemächern, ein Hauch von Einbruch, die wahre Bewohnerin könnte jeden Moment zurückkommen.

So spielt dieses Interieur mit dem Kontrast aus minimalistischen Mitteln und maximaler Illusion von Wirklichkeit: mit der Erfahrung, dass die Realität im Flüchtigen stärker erfahrbar sein kann als im Vollkommenen. Das ist eine durchaus reizvolle Erkenntnis, wenngleich mit ihr die unbefriedigende Ahnung eines Allesverstandenhabens einhergeht. Gründe für ein längeres Verweilen jedenfalls sind im Pavillon nicht ersichtlich.

Bis 19. August im Pavillon des Gerhard-Marcks-Hauses in Bremen. Öffnungszeiten: Di.-Mi. 10-18 Uhr, Do. 10-21 Uhr, Fr.-So. 10-18 Uhr.

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