Lesenswerte Publikationen begleiten die aktuellen Beckmann-Ausstellungen

Neustart in den Staaten

Syke - Von Rainer BeßlingNach 1945 strebten die USA auch auf dem Kunstsektor die globale Führung an. Da passte es wunderbar ins Konzept, dass mit Max Beckmann einer der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts einem Ruf der Washington University in St. Louis, Missouri, folgte.

Beckmann hatte der Ausreise nach Amerika schon länger entgegengefiebert. Nachdem die Nationalsozialisten ihn von seinem Lehrstuhl an der Städelschule in Frankfurt vertrieben und seine Malerei als „entartet“ ausgegrenzt hatten, emigrierte der Maler 1937 nach Amsterdam. Die entbehrungsreiche Zeit im niederländischen Exil, geprägt von Isolation und Angst, dauerte zehn Jahre. Im Spätsommer 1947 traf Beckmann in Amerika ein.

Es sollte der erhoffte Neubeginn in der Neuen Welt werden. Der Künstler war von den Metropolen, von ihrer Architektur, ihrem Flair, von der Vitalität der Menschen und des Jazz fasziniert. Aber auch von den „wilden“ Landschaften des Westens. Der Künstler fand schnell Freunde und Förderer. Und die Neugier und Lernbereitschaft seiner Studenten weckte bei ihm die Lust an der Lehre.

Vor allem aber setzte Amerika in den letzten drei Lebensjahren Beckmanns einen gewaltigen Schaffensdrang frei. Das imposante Spätwerk eines der eigenständigsten Künstler der Moderne dokumentiert zur Zeit das Frankfurter Städelmuseum. Schon mit dem Triptychon „Departure“ und mit „Begin the Beguine“ –  noch auf europäischem Boden geschaffen – hatte Beckmann seiner Vorstellung von Freiheit und modernem Lebensgefühl Ausdruck verliehen.

Die Frankfurter Schau kann unter anderem mit bedeutenden Triptychen wie „Beginning“ und „Argonauten“ aufwarten, die zu den Höhepunkten des Gesamtwerks zählen. Nicht zuletzt dokumentiert die Schau, dass Beckmann auch in der Nähe des „Abstrakten Expressionismus“ eines Pollock oder De Kooning an der eigenen Figuration festhielt. Kaum ein anderer Künstler seiner Generation erwies sich so immun gegenüber dem Modernisierungsdruck des Betriebs.

Ohne dies vorher abgesprochen zu haben, widmen sich noch zwei andere Museen im deutschsprachigen Raum ausgewählten Aspekten im Schaffen Beckmanns. Die drei begleitenden Publikationen können den Gang vor die Originale zwar nicht ersetzen, geben aber hervorragende Einblick in bislang weniger präsente Werkaspekte und warten mit neuem Blick auf Vertrautes auf: In seiner Geburtsstadt widmet sich das Museum für bildende Künste Leipzig den Bildnissen Beckmanns. Dass dieser zu den wichtigsten Porträtisten der Kunstgeschichte zählt, ist bekannt. Mit einer Vielzahl unterschiedlicher Porträttypen – Einzel- und Doppelporträts, Familien- und Gruppenbildnisse, allegorische Figurenbilder – dokumentieren Publikation und Präsentation unter dem Titel „Von Angesicht zu Angesicht“ die Tiefgründigkeit und Mehrbödigkeit der Menschendarstellung. Beckmann reflektiert darin persönliche Beziehungen, findet aber zugleich einen markanten Ausdruck für Eckpunkte menschlicher Existenz und Grenzerfahrungen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der Katalog wartet mit grundlegenden Essays und neuen Identifizierungen der Dargestellten auf, ein Lexikon stellt ausführlich rund 240 Personen vor. Ausgewählte Papierarbeiten ermöglichen zudem erhellende Einblicke in den Entstehungsprozess der Gemälde.

Beckmann als Landschaftsmaler: Dass dieses Thema bei dem Maler einen weit größeren Raum einnimmt als allgemein angenommen, macht das Kunstmuseum Basel anschaulich. Dabei interessiert den Künstler mehr der Mensch in der Natur und die von Menschen gemachte Landschaft. Der Blick und der Betrachter rücken mit ins Bild, Landschaft und Komposition begegnen sich auf Augenhöhe.

Die Publikationen zu den Ausstellungen in Basel, Leipzig und Frankfurt/M. (noch bis Januar):

Max Beckmann: Die Landschaften. 236 S., 49,80 Euro

Beckmann + Amerika,

280 S., 44 Euro.

Von Angesicht zu Angesicht. 400 S., 49,80 Euro.

Alle Hatje Cantz Verlag,

Ostfildern, 2011

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