Wieder ein Volltreffer: Peter Grisebach inszeniert in Bremerhaven Mozarts „Hochzeit des Figaro“

Neues aus der Welt des Adels

Komödie, aber nicht Comedy: „Die Hochzeit des Figaro“ hatte in Bremerhaven Premiere.

Von Wolfgang DenkerBREMERHAVEN (Eig. Ber.) · Die letzte Spielzeit des Bremerhavener Intendanten Peter Grisebach steht bisher offensichtlich unter einem ganz besonders guten Stern. Von „Lucrezia Borgia“ über „Nabucco“ bis hin zu „Sugar“ reihte sich ein Volltreffer an den anderen. Diese Serie wurde nun mit Mozarts Meisterwerk „Le Nozze di Figaro“ („Die Hochzeit des Figaro“) auf das Glücklichste fortgeführt.

Die 1786 uraufgeführte Komödie zählt zu Mozarts beliebtesten Werken. Graf Almaviva ist ein rechter Casanova und stellt seiner Kammerzofe Susanna nach, die im Begriff ist, seinen Kammerdiener Figaro zu heiraten. Es entwickelt sich ein komödiantisches Verwirrspiel, in dessen Verlauf Susanna, Figaro und die um ihre Liebe kämpfende Gräfin mit List und Klugheit den Grafen an der Nase herumführen. Am Ende muss er klein beigeben und bittet seine Frau um Verzeihung. Die „Vorgeschichte“ machte Rossini 30 Jahre später zum Inhalt seiner Oper „Der Barbier von Sevilla“, die am 20. März in Bremen Premiere hat.

Der „Figaro“ ist eine lange Oper, aber mit herrlicher Musik. Die drei Stunden vergingen wie im Fluge, weil Regisseur Markus Hertel das Stück ganz aus dem Geist der Musik inszeniert und „Komödie“ nicht mit „Comedy“ verwechselt hat, wie man es heute oft erlebt. Zudem entschloss man sich, den „Figaro“ in deutscher Sprache zu geben. Das erhöht das Vergnügen für das Publikum ungemein, weil die Situationskomik so auch für diejenigen, die mit dem Libretto nicht ganz genau vertraut sind, unmittelbare Wirkung erzielt, zumal die Textverständlichkeit des Ensembles vorbildlich war.

Im Programmheft werden die einzelnen Akte unter dem Motto „Neues aus der Welt des Adels“ als Folge eins bis Folge vier betitelt, als handle es sich um eine Fernsehserie. Aber etwaige Flachheiten, die man darob befürchten könnte, finden nicht statt. Im Gegenteil, Hertels Inszenierung ist sehr feinsinnig ausgefallen. Ihr Reiz liegt in vielen kleinen Details, mit denen jede Figur treffend und liebevoll gezeichnet wird. Susanna etwa sorgt mit einem Besen resolut für klar Schiff und fegt ihre Konkurrentin Marcellina gleich mit hinaus. Der Musiklehrer Basilio, hier ein Dorfgeistlicher, stürzt sich mit süffisantem Grinsen auf jede neue „Enthüllung“. Cherubino gibt sich als „cooler“ Jüngling mit Sonnenbrille und weiß doch vor lauter Schwärmerei für die Damenwelt gar nicht mehr aus und ein. Und Figaro ist ein verschmitzter Tausendsassa, der dem Grafen ordentlich Paroli bietet, während doch Susanna die listig und besonnen agierende eigentliche Drahtzieherin ist. Die politischen Aspekte wie die Auflehnung gegen Fürstenwillkür sind in dieser Inszenierung weitgehend ausgeblendet. Hier geht es tatsächlich in erster Linie um „Beziehungskisten“. Und die werden mit komödiantischem Vergnügen ausgespielt. Die Personenführung von Hertel ist unspektakulär, aber dafür von großer Natürlichkeit. Und in den Ensembles hat er dort, wo es angebracht ist, auch den Mut zum Stillstand.

Ausstatter Marcel Zaba schuf für jeden der vier Akte von der eindrucksvollen Schlossfassade bis zum nächtlich illuminierten Garten einen individuellen Spielraum, wobei meistens ein sandig-gelber Grundton vorherrschte.

Musikalisch bereitete die Premiere ausnahmslos Freude. Anna Schoeck war als besonders spielfreudige Susanna bühnenbeherrschend und glänzte mit lyrisch-silbrigem Sopran. Die um ihre Liebe kämpfende Gräfin fand in Nelly Palmer eine ausdrucksvolle Interpretin, die ihre Partie sehr nobel und gefühlvoll sang. Kai-Moritz von Blanckenburg, der sich zu einem der vielseitigsten Sänger des Bremerhavener Ensembles entwickelt hat, zog als stimmfester Figaro alle Sympathien auf sich. Seinen Gegenspieler, den Grafen Almaviva, legte Felipe Peiró markant auftrumpfend an. Und Ann Juliette Schindewolf ist mit ihrem schlanken Mezzo eine Garantin für hervorragende Leistungen. Bei ihrem Cherubino war es nicht anders.

Die musikalische Leitung lag in den Händen von Richard Fletcher, der (nach einer etwas undifferenzierten Ouvertüre) mit extrem schnellen Tempi die Turbulenz der Komödie noch unterstrich.

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