Spektakulärer Auftakt der 14. Internationalen Oldenburger Tanztage

Neues vom Schwanensee

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In „Figures of Speech“ von Alonzo King wird Tanz zur Grafik. 

Oldenburg - Eigentlich ist der Nordwesten der Republik eine Hochburg des Tanztheaters. Die dieser Tage in Oldenburg und Bremerhaven laufenden Tanzfestivals bilden das nicht unbedingt ab. In Bremerhaven hat die Compagnie von Serge Vanaev mit ihrem modernen Ballett schon lange die tänzerische Deutungshoheit, das Oldenburgische Staatstheater verabschiedete sich vor fünf Jahren unter Intendant Christian Firmbach vom Tanztheater. Federführend dabei war der damalige Ballettdirektor Burkhard Nemitz, der die 14. Internationalen Tanztage in Oldenburg als Festivalleiter prägt.

Der Publikumszuspruch hat darunter keineswegs gelitten, die Verkaufszahlen sprechen eine deutliche Sprache. Diverse Programmpunkte sind seit Längerem ausverkauft, was natürlich erst recht für den Eröffnungsabend gilt, der am Freitag im Haupthaus mit zwei Compagnien aus den USA prunkte. Um 19 Uhr gaben der Intendant und sein Festivaldirektor im Großen Haus den Startschuss. Dem Alonzo King Lines Ballet aus San Francisco war es dann vergönnt, gleich zu Beginn mit einem zweiteiligen Programm einen eindrücklichen Höhepunkt setzen zu können. „Art Songs“, der erste Teil des Abends versteht sich als Feier des menschlichen Gesangs, der hier unter anderem in Barock-Arien von Purcell und Händel zu hören ist. Zuallererst fällt allerdings das stupende tänzerische Niveau der Truppe aus dem kulturellen Schmelztiegel ins Auge. Das Tempo ist hoch, das Timing makellos, alles sitzt. Wobei der Bezug zur Musik selten zwingend wirkt.

Der zweite Teil, „Figures of Speech“, hat eine deutlicher umrissene Thematik: Der New Yorker Dichter und Aktivist Bob Holman hat für Alonzo King Lyrikrezitationen in vom Aussterben bedrohten Sprachen zusammengestellt, darunter neben Baskisch und Hawaiianisch auch verschiedene Sprachen kalifornischer Stämme. Was diese Sprachen uns allerdings zu sagen hätten, bleibt schleierhaft. Mit wie schon in „Art Songs“ oft atemberaubender Manier deuten die Ensemblemitglieder diese Sprachen aus: in unterschiedlichen Kombinationen vom Solo bis zu Ensemble-Szenen, in denen die Tänzer sich zu geheimnisvollen Schriftzeichen zu formieren schienen.

Auch hier bleiben am Ende Fragezeichen. Aber die mögen auch so etwas sein wie der vorweggenommene Schmerz der uns bevorstehenden Verluste zahlreicher Sprachen.

Weniger rätselhaft geht es im Anschluss bei Danceworks Chicago im Kleinen Haus zu. Statt große Bögen zu schlagen, sind die Choreografien des rund 90-minütigen Programms „Always Moving“ allesamt um die zehn Minuten lang. Das ist zwar etwas mehr als die Länge eines Pop-Songs, aber das Prinzip ist durchaus ähnlich. Zum Teil bilden dann auch Pop-Songs den musikalischen Rahmen, wie für „Pack: And for all the lost ones“ ein Stück der isländischen Schwelger Sigur Ros. Allerdings schreckt die junge Truppe auch vor dem „Schwanensee“ nicht zurück, den sie mit viel Humor neu deuten.

Technisch spielt das zwar nicht ganz in einer Liga mit den Tänzern von Alonzo King, aber sehr viel fehlt dann auch wieder nicht. Den Rest macht die Truppe locker mit Esprit wett.

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