Neues Magazin aus Bremen

Die Kraft des Kollektivs

Niemals vergessen! Erste Ausgabe mit Kohl. Bild: Sönke Busch
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Niemals vergessen! Erste Ausgabe mit Kohl. Bild: Sönke Busch

Bremen - Von Rolf Stein. „Never Forget“ – niemals vergessen, in zerlaufenden Graffiti-Lettern steht da, neben einem pointillistischen Porträt von Helmut Kohl, auf dem Umschlag des „mo:no – Magazin für Text und Bild“, das gestern zum Auftakt der Literarischen Woche in der Zentralbibliothek vorgestellt wurde. - Von Rolf Stein.

Einerseits die Fortsetzung einer vor zwei Jahren begonnenen Zusammenarbeit, andererseits eine veritable Premiere. Enstanden ist das „mo:no“ im Kollektiv, das wiederum aus dem Kreis entstanden ist, der sich vormals „BOM13“ nannte, ein Magazin, das zwei Jahre lang als Online-Veröffentlichung erschien. Das „mo:no“ gibt sich nun als luxuriös anmutendes, über hundert werbefreie Seiten starkes Hochglanzheft, das sich tatsächlich so gut anfühlt wie es aussieht. Konzeptionell knüpft es allerdings an das „BOM13“ an.

„Wir haben uns als Kollektiv gegründet, um uns so selbst eine Plattform für unsere Texte, Comics, Illustrationmen, Collagen, Bilder und Gedanken zu schaffen“, formuliert das Editorial. Zu den Autoren der Ausgabe gehören Journalisten, Grafiker, Fotografen, Slam-Poeten, Zeichner und andere, die hier Geschichten veröffentlichen können, für die im Tagesgeschäft kein Platz ist. Wie die des Spätaussiedlers Sergei, der die Frustration über seine heimische Situation, die Anpassungsschwierigkeiten in der neuen Heimat mit Heroin zu meistern versucht – und nach langem Kampf, dem Tod seines Vaters und dank einer engagierten Fallmanagerin den Weg zurück ins Leben findet.

Oder die autobiografische Erzählung einer Jugend im Zeichen der Beatles, Erinnerungen an eine Jugend in der deutschen Provinz zwischen Punk und Antifa, eine Nacht auf der Disco-Meile, aber auch die zeitlos-zeitgenössische Geschichte einer Flucht nach Europa.

Der Bezug zum Thema der Literarischen Woche, „Generation im Aufbruch. Von der Schwierigkeit des Erwachsenwerdens“, ist lose und steht unter der alten, bei der Punk-Band DAF entlehnten Parole „Verschwende deine Jugend“, was vielleicht auch den Kohl erklärt. Wobei dieser Slogan schon schillert. Indem er zum einen als Absage an die Verwertungsprinzipien einer marktförmigen Wirtschaftsweise zu verstehen ist. Zugleich positiv aber auch als Behauptung, der eigene Hedonismus wäre geradezu das Gegenteil von Verschwendung weil die einzig sinnvolle Art zu leben. Und Flüchtlinge? Haben natürlich Besseres zu tun, als ihr Leben zu verschwenden. Das tun für sie leider schon andere Instanzen. Auch wenn manches in dieser ersten Ausgabe dann doch sehr bremische Nabelschau ist – das Gesamtprodukt wurd durch diese scheinbare Unvermitteltheit ihrem Thema auf seine Weise gerecht.

Für sechs Euro im Internet erhältlich unter magazin-mono.de

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