Neuer Direktor Frank Schmidt startet

Der Deluxe-Fall

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Es kann losgehen: Frank Schmidt vor einem Gemälde von Paula Modersohn-Becker.

Bremen - Von Mareike Bannasch. Eigentlich beginnt seine Arbeit erst am 1. Februar. Eigentlich, denn seinen ersten öffentlichkeitswirksamen Auftritt als neuer Direktor der Museen Böttcherstraße hatte Frank Schmidt bereits gestern. - Von Mareike Bannasch.

Anderthalb Jahre hat die sechsköpfige Findungskommission gebraucht, um einen Nachfolger für Frank Laukötter zu finden. Viel Zeit, was aber nicht allzu außergewöhnlich ist – sagt jedenfalls Anna Greve. Die Museumsreferentin des Kultursenators berichtet bei der offiziellen Vorstellung des neuen Direktors von 25 Konkurrenten, aus deren Kreis Schmidt am Ende herausstach. „Dass er sich jetzt für Bremen entschieden hat, ist wirklich ein Deluxe-Fall.“

Eine Einschätzung, die ein Blick auf die Vita des 45-Jährigen durchaus untermauert. So war der Kunsthistoriker nicht nur als Kurator am Museum Kunstpalast in Düsseldorf, sondern auch am renommierten Frieder-Burda-Musen in Baden-Baden tätig. Zuletzt hatte er die Position als wissenschaftlicher Direktor der Kunsthalle Emden inne, wo Schmidt unter anderem die Präsentation der Expressionisten-Sammlung von Lothar-Günther Buchheim verantwortete.

Nun also Bremen. Kein einfacher Fall, haben die Museen Böttcherstraße doch seit einigen Jahren mit einem deutlichen Besucherrückgang zu kämpfen. Doch das schreckt den neuen Direktor nicht, stattdessen setzt er auf Geschichte und Tradition, vor allem die des Paula-Modersohn-Becker-Museums – immerhin das erste Museum in Deutschland, das nur für eine Malerin eingerichtet wurde und seither auch international nicht allzu viele Nachahmer gefunden hat. „Es ist erstaunlich, dass wir das Jahr 2016 haben und es fast noch eines der einzigen Künstlerinnen-Museen ist“, betont dann auch Schmidt in seinem Antrittsstatement.

Doch nicht nur warme Worte hatte der Emdener zu bieten, er gab auch einen ersten Vorgeschmack auf seine Zielsetzung. So werde es ihm in Zukunft vor allem darum gehen, die Arbeiten von Paula Modersohn-Becker und Bernhard Hoetger mit denen von zeitgenössischen Künstlern in Beziehung zu setzen. Immer ausgehend von dem Verständnis, dass die Museen Böttcherstraße kein „White Cube“ sind, der inhaltsleer für sich selbst steht. Wer das Haus betrachtet, müsse also immer auch das Gesamtpaket Böttcherstraße im Auge haben – Besucher wie Direktor.

Im Klartext bedeutet dies abwechslungsreiche Ausstellungen und Bezüge zur zeitgenössischen Kunst, immer im Kontext der eigenen Sammlung. Damit bringt Schmidt nicht nur einen Schwerpunkt seiner Emdener Arbeit mit nach Bremen, sondern sucht zugleich einen Brückenschlag mit der Tradition des Paula-Modersohn-Becker-Museums – einer Wegbereiterin der Moderne.

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