Neuer Bremen-Roman von Jürgen Breest

Schuldkomplexe im Vorstadt-Idyll

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Mediengruppe Kreiszeitung

Bremen - Von Ilse-Marie Voges. Mit „Unfall am langen Jammer“ stellt der Igel-Verlag Hamburg einen neuen Bremen-Roman von Jürgen Breest vor. Der in Syke-Barrien aufgewachsene Autor arbeitete als Fernsehredakteur bei der ARD an diversen Drehbüchern und Dokumentarfilmen. Seit 1959 ist er als Autor tätig. 1990 wurde sein Krimi „Schade, dass du ein Miststück bist“ mit dem Glausner-Preis ausgezeichnet. Mit seinen beiden Romanen „Muttermal“ und „Familienbesitz“ sowie den vier Bremen-Krimis um das Ermittler-Duo Spengler und Friedberg war Breest erfolgreich. Der Autor ist eher ein leiser, unaufdringlicher Mann, der die Zurückgezogenheit schätzt. Seit wenigen Jahren lebt er in Berlin. - Von Ilse-Marie Voges.

Zum neuen Buch: „Wenn das man gut geht“, flüstert Harald Vogt, als er den Telefonhörer auflegt. Ihm schwant schon, dass bald Ärger ins Haus steht. Soeben hat der pensionierte Studienrat einen merkwürdigen Anruf erhalten: Ein Journalist aus den USA, der sich als Adoptivsohn ehemaliger Nachbarn vorstellt, plant eine Chronik über seine jüdische Familie und möchte ihn dazu befragen.

Vogt kann sich kaum noch an die Brodmanns erinnern, die in den 30er-Jahren nach Amerika flohen. Er war erst drei Jahre alt, als sie das Haus nebenan verließen. Was will dieser Sam Brodmann nun von ihm? Und weshalb will er nach mehr als siebzig Jahren in das ehemalige Haus seiner Vorfahren zurückkehren? Natürlich muss Vogt nun schleunigst seiner Nachbarin davon erzählen – denn schließlich plant dieser Journalist, sich gleich morgen ihr Haus anzusehen.

Vogts Vorahnung soll sich bestätigen, denn der Besuch des Amerikaners enthüllt dunkle Familiengeheimnisse. Vogts Eltern hatten die Notlage der Brodmanns vor der Flucht ausgenutzt und sich auf Kosten der jüdischen Nachbarn bereichert – auch zwei Nolde-Aquarelle waren auf diesem Weg in den Besitz der Familie geraten. Sam Brodmann fordert nun die Rückgabe der Kunstwerke, was alte Konflikte zwischen Vogt und seinen Kindern aufbrechen lässt – insbesondere sein erfolgloser Sohn Dieter denkt gar nicht daran, auf sein Erbe zu verzichten und versucht mit allen Mitteln, die Rückgabe der Aquarelle zu verhindern

Schonungslos entblößt Jürgen Breest in seinem neuen Roman das Gefühlsleben seiner Hauptfigur: Schuldkomplexe, das Bedürfnis nach Wiedergutmachung, aber auch Eifersucht und Missgunst erschweren Vogt fortan das einst so beschauliche Leben in Borgfeld. Einzig die Junisonne strahlt unbeeindruckt auf den Bremer Stadtteil nieder.

Jürgen Breest, Unfall am langen Jammer, Igel-Verlag, 12,90 Euro.

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