Bremer Philharmoniker stellen Programm vor

Bremer Philharmoniker: Neue Zeiten

Marko Letonja - Foto: Marcus Meyer

Bremen - Von Ute Schalz-Laurenze. In der Pressekonferenz des vergangenen Jahres hatte Marko Letonja seine erfolgreichen Dirigate bei den Bremer Philharmonikern als heftigen Flirt bezeichnet, dem nun der Ernst der Ehe folge. Ideen, Bedingungen, Hoffnungen und Wünsche für diese Ehe wurden am Mittwoch vorgestellt, und dabei fiel vor allem eins auf: Die Programme und Konzepte öffnen sich in derart viele Richtungen, dass dies einen Publikumszuwachs zu garantieren scheint. Marko Letonja, 1961 in Slowenien geboren und derzeit noch Chefdirigent der Strasburger Philharmoniker und des Tasmanischen Orchesters, und der Intendant Christian Kötter-Lixfeld – beide werden nicht müde, den Team-Gedanken zu beschwören – haben in allem Neuen die Vergangenheit und die gegenwärtige Situation gründlich analysiert und reflektiert.

So wird mit einem neuen „Flexi-Abo“ der Tatsache Rechnung getragen, dass viele Menschen sich nicht mehr gern auf Termine festlegen wollen, die ein Jahr später liegen. „Wir wollen verrückte Formate machen“, meint Kötter-Lixfeld. Dazu wird gehören, dass Letonja die Einführungen in seine Konzerte selber hält, dass er Proben für das Publikum öffnet und dass die derzeit erfolgreichsten Reihen, die „Sonntag Vormittag-Konzerte“ und die „5 nach sechs Afterwork-Konzerte“, erweitert werden. Außerdem sind ein Stadtteilprojekt in Wolmershausen geplant sowie neue Formate der Familien- und Jugendkonzerte, die der Generalmusikdirektor der Oper, Yoel Gamzou, gestalten wird. Und es wird ein „GMD-Abo“ geben, das die fünf von Letonja dirigierten Konzerte umfasst.

Letonja sagt dazu: „Das Wichtigste ist für mich das Niederreißen der Mauern zwischen Musiker und Publikum ohne künstlerische Verluste, ein Musikerlebnis ist eine gemeinsame magische Stunde!“ In diesem Sinne eröffnet er die Spielzeit mit Béla Bartóks „Konzert für Orchester“, einer hochvirtuosen„Visitenkarte für das Orchester“. Große Werke werden folgen – auch Schlüsselwerke des 20. Jahrhunderts wie „Atmosphères“ von György Ligeti, „Mathis der Maler“ von Paul Hindemith und „D‘un soir triste“ der jung verstorbenen Komponistin Lili Boulanger.

Aber auch die Ausflüge in leichtere Musik und Filmmusik werden die Philharmoniker intensivieren, und da trifft sich Letonja dann mit Yoel Gamzou, der die Schubladen der Gattungen ablehnt und gute Musik präsentieren will – egal, wo sie herkommt und angeblich hingehört. Für die nächsten Jahre kündigt er eine systematische Darstellung der Geschichte der Sinfonie von Haydn bis Schostakowitsch („den letzten großen Sinfoniker“ ) an. Große Solisten sind angesagt: Alexander Krichel als „Artist in Residence“, Lise de la Salle, Christian Zarachias, Julius Steckel, David Orlovsky.

Die mit Markus Poschner und Christian Kötter-Lixfeld begonnene Erfolgsgeschichte der Bremer Philharmoniker könnte „eine neue Zeit“ – so der Titel der Spielzeit – begründen. In Zukunft werden die Konzerte um 19.30 statt 20 Uhr beginnen. Die Staatsrätin Carmen Emigholz weist zu Recht zufrieden darauf hin, dass Letonja Planungssicherheit zugesagt werden konnte und – das war zu erwarten – auch die Intendanz von Christian Kötter-Lixfeld um fünf Jahre verlängert wurde.

Nicht nur für Musikbegeisterte gibt es am 9. Juni von 10 bis 17 Uhr in der Glocke einen Tag der offenen Tür.

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