Theater stellt halbe Spielzeit mit kleinem Ausblick aufs kommende Jahr vor

Neue Bremer Beinfreiheit

Pressekonferenz mit Abstand: Auch Intendant und Spartenleiter halten sich an die Vorgaben. 
Foto: jörg landsberg
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Pressekonferenz mit Abstand: Auch Intendant und Spartenleiter halten sich an die Vorgaben. Foto: jörg landsberg
  • Rolf Stein
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Bremen – Vielleicht darf man die gute kleine und durchaus subjektive Nachricht einfach vorweg verkünden: Wieder in einem Theater zu sitzen, gemeinsam mit anderen Menschen, fühlt sich gar nicht schlecht an. Das Theater Bremen hatte zur Spielzeitpressekonferenz eingeladen, und die Presse war gekommen. Desinfektionsspray am Einlass, Niederschrift der Kontaktdaten, Maske auf dem Weg zum Platz – das gehört natürlich bis auf Weiteres dazu.

Aber dann sitzt man verstreut im Saal, während auf der Bühne, ebenfalls mit dem gebotenen Abstand, die Spartenleiter des Hauses Platz genommen haben – und sitzt eigentlich ganz herorragend. Vor allem größere Menschen dürfen sich über viel Beinfreiheit freuen, weil jede zweite Sitzreihe ausgebaut ist. Und, das erwähnt Intendant Michael Börgerding, die hauseigene Klimaanlage sei „sehr, sehr gut“.

Dass dabei längst noch nicht alles so durchgeplant ist wie bei den acht Spielzeitkonferenzen seit Börgerdings Antritt, ist der Großlage geschuldet. Man hangele sich von Woche zu Woche. Wie der Rest der Welt auch.

Einiges steht dann aber doch fest. Es wird gespielt, und zwar einiges. Was schon für die aktuelle, abgebrochene Spielzeit geplant war, wird nachgeholt. Manches, wie der „Falstaff“ könne unter Coronabedingungen auf keinen Fall auf die Bühne kommen, manches, wie ein neues Stück von Fritz Kater alias Armin Petras entstand in und letztlich wegen der Krise. Und dann gibt es Vorhaben, die sowieso für die kommende Saison angesetzt waren, wie eine neue „Zauberflöte“, die allerdings unter dem Titel „Papageno erfindet die Zauberflöte“ als „coronasichere Fassung der großen Oper“ auf die Bühne kommt, wie es in einer Pressemitteilung heißt.

Dass es „trotzdem kein reiner Spielplan“ sei, betont Börgerding, auch wenn krisenbedingt gespart werden müsse, mancher Gast nicht kommen kann, Produktionen geschrumpft werden. Die wirtschaftliche Ausgangslage ist dabei nicht die schlechteste. Bis zum Abbruch des Betriebs sei die Saison eine der erfolgreichsten bislang gewesen. Und dank Kurzarbeitergeld gehe das Haus ohne rote Zahlen in die Sommerpause. Danach fallen allerdings Einnahmen in beträchtlicher Höhe aus: Im Theater am Goetheplatz können dann pro Vorstellung statt knapp 800 nur noch rund 190 Menschen den Vorstellungen beiwohnen, im Kleinen Haus sind es gut 50 – statt 200. Das gastronomische Angebot ist ebenfalls gestrichen.

Um dem Publikum den Besuch schmackhaft zu machen, macht das Theater ein besonderes Angebot. Im September und Oktober gibt es Einheitspreise für alle Plätze, in der Oper kostet ein Besuch dann 30 Euro, im Schauspiel 20 und für Schauspiel mit Musik zahlt man auf allen Plätzen 25 Euro.

Neben diesen eher technischen Dingen ging es natürlich auch um die Kunst – und um eine Personalie: den neuen Chefdramaturgen Stefan Bläske, der auf dieser Seite ausfühlich zu Wort kommt.

Ein bisschen überraschend, dass auf dem Programm einiges steht, was schon länger in Planung ist, aber jetzt noch einmal an Aktualität gewonnen hat. So hatte das Junge Theater bereits am Jahresanfang mit „Conspiracy“ ein Stück über Verschwörungserzählungen angedacht – was gerade in der Pandemie ein zentrales Thema geworden ist. Dass die „Woyzeck“-Inszenierung von Klaus Schumacher aus dem März 2013 wiederaufgenommen werden sollte, war ebenfalls schon vor der Krise klar, die wie die Faust aufs Auge die materiellen Widersprüche im globalisierten Kapitalismus noch einmal drastisch verschärft hat.

Das andere große Thema der Zeit, der Umgang der Menschheit mit ihrer Lebensgrundlage, durchzieht Vorhaben wie Alize Zandwijks „Moby Dick“ und – dann voraussichtlich im kommenden Jahr – Felix Rothenhäuslers „Entstehung der Arten“.

Mehr Informationen

www.theaterbremen.de

Von Rolf Stein

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