Unaussprechlich

Neue Ausstellung zeigt Kunst von Bremer Meisterschülern

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Irene Strese lässt es in ihrer Installation „I try to remember all the things I already forgot“ einfach laufen.

Er ist einer der höchstdotierten Förderpreise der deutschen Kunsthochschulen: 15 000 Euro erhält der Gewinner des Karin-Hollweg-Preises, der morgen zur Eröffnung der Meisterschüler-Ausstellung in der Weserburg bekannt gegeben wird. So viel darf als gesichert gelten. Das Weitere ist in weiten Teilen weit weniger gewiss.

Das beginnt bereits mit dem Titel der Ausstellung, der sich typografisch im Layout dieser Zeitung schlichtweg nicht drucken lässt. Er, der Ausstellungstitel, ist eine Zeichenkombination, die zumindest für Digital Natives unmittelbar verständlich ist. Es handelt sich dabei um ein sogenanntes Emoji, das man „person shrugging“ nennt: eine Person, die mit den Schultern zuckt – ein Ausdruck der Ratlosigkeit. Nicht anzunehmen ist natürlich, dass dieser eigentümliche Titel deswegen über der Ausstellung steht, weil selbige mit einem Schulterzucken abzutun und damit erledigt wäre. Im Gegenteil.

Die Meisterschüler, also die als besonders förderungswürdig befundenen Absolventen der Kunsthochschule, beweisen vielmehr zum wiederholten Male, dass die hiesige Ausbildung auf beachtlichem Niveau arbeitet. Janneke de Vries, die zum ersten Mal in ihrer Eigenschaft als Weserburg-Direktorin die seit 2011 dort beheimatete Ausstellung verantwortet, betont nicht ohne Grund, dass die „Meisterschüler“ das einzige Format sind, das sie von ihrem Vorgänger Peter Friese übernommen hat.

Und sie hat dem Nachwuchs sogar mehr Platz eingeräumt. Nicht, um die Positionen, derer es diesmal 15 gibt, vereinzeln zu können, sonderen ihnen, anders als früher mehr Luft zu geben. Davon brauchen nicht wenige eine ganze Menge. Lukas Zerbst beispielsweise hat eine Wendeltreppe aus dem Ausstellungsbereich der Weserburg in ihre Bestandteile zerlegt und sie in Form eines kühnen Bogens wieder zusammengefügt, eindeutig eine Leiter zwar, aber ihrer Funktionalität grundlegend beraubt. Die Funktion hatte ihr zuvor bereits die Weserburg im Rahmen ihrer Umbauarbeiten genommen. Zerbst rettet die arbeitslos gewordene Treppe sozusagen und überführt sie in ein ästhetisches Statement.

Luan Lamberty ist nur einer aus einer ganzen Reihe von Malern unter den diesjährigen Meisterschülern. 

Neben dieser und anderen sehr sehenswerten raumgreifenden Arbeiten sind im Grunde sämtliche Disziplinen vertreten, von Videoarbeiten über vergleichsweise viel Malerei und Skulptur bis hin zu einer multimedialen Oper, die allerdings in Gänze nur am Eröffnungsabend und zur Langen Nacht der Museen am kommenden Samstag zu sehen ist.

Um noch einmal auf das Schulterzucken zurückzukommen: Irritation als schöpferische Produktivkraft macht sich in durchaus verwandter Weise Rima Radhakrishnan zunutze: Ihre Wandintervention arbeitet virtuos mit Sprache, mit Wörtern, an denen sie nicht zuletzt Dreifachkonsonanten und -vokale schätzt. Spielerisch gibt sie den vielstrapazierten Bedeutungsträgern und damit auch uns neue Assoziationsebenen.

Es fehlt an dieser Stelle der Raum, um auch die anderen Arbeiten zu würdigen. Weshalb, auch wenn das ein wenig wohlfeil klingen mag, empfohlen sei, die Schau auf eigene Faust zu erkunden.

Selbst sehen:

Eröffnung und Vergabe des Karin-Hollweg-Preises: Freitag, 19 Uhr; Ausstellung bis zum 11. August, Weserburg, Bremen.

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