Markus Poschner dirigiert Wagner

Neubeginn und Untergang

Markus Poschner - Foto: Daniel Vass

Bremen - Von Ute Schalz-Laurenze. Nein, selber denken ist nicht erlaubt bei diesem Komponisten: Wie niemand vor oder nach ihm hat Richard Wagner inhaltliche Utopien und entsprechende Klänge geschaffen, die so gewaltig sind, dass sie uns permanent verführen.

Und man muss nicht unbedingt seiner bizarren Welt des Untergangs folgen, um seine Kompositions- und Instrumentationskunst zu bewundern. Besonders, wenn sie mit solcher Sorgfalt und Leidenschaft zum Klingen gebracht wird, wie es die Bremer Philharmoniker unter der Leitung von Markus Poschner mit Auszügen aus der „Götterdämmerung“ tun. 

Poschner ist ein Verteidiger des „kammermusikalischen“ Wagner, einer, der die Extreme der Artikulation, der Phrasierung, der Dynamik auch ausführt. Dass bei solcherart Transparenzbestreben trotzdem ein überwältigendes Klangerlebnis möglich ist, ist das eigentliche Wunder dieses Philharmonischen Konzertes.

Der Regisseur Lars von Trier hat für den „Ring des Nibelungen“ einst den Bayreuther Regieauftrag zurückgegeben, weil er keinen Boden für eine eigene Ortung und Interpration finden konnte. So macht eine konzertante Aufführung durchaus Sinn, weil offenbleiben kann, was uns das Ende der Götterdämmerung erzählt: den Untergang einer Welt oder dessen Gegenteil, einen Neuanfang. 

Mit den Stücken „Morgendämmerung“, „Siegfrieds Rheinfahrt“, der Szene zwischen Brünnhilde und Waltraute und Brünnhildes Schlussgesang erklingt eine Orchesterpracht ohnegleichen: brillante Bläser, überzeugende Klangproportionen, lebendige Tempi, klangschöne Streicher und über allem die für Poschner charakteristische Formung der Dramatugie, der Logik der Komposition.

Das kann man auch in Bayreuth nicht besser hören, zudem schneit mit dem Auftritt der britischen Sopranistin Catherine Foster ein Hauch der dortigen Festspiele herein, denn Foster hat die Brünnhilde auf dem Festspielhügel gesungen. Warum sie weltweit eine der begehrtesten Brünnhildes ist, ist nun auch hier zu hören: Man muss nicht brüllen, um Wagner zu singen. Auch Bettina Ranch als Waltraute passt zu dem so intensiven wie unaufdringlichen Gesangsstil dieser Aufführung.

In den vergangenen nun bald zehn Jahren war in den Philharmonischen Konzerten, vor allem denen mit Markus Poschner, immer auch eine interessante Programmzusammenstellung zu erleben. Nie gab es da so etwas wie ein Wunschkonzert. Immer zieht Poschner Linien, sucht Beziehungen, verfolgt Kontraste, spürt Gemeinsamkeiten auf. Und so wirkt auch die einleitende Aufführung von Alban Bergs „Drei Orchesterstücke“ op. 6 wie eine ganz andere Weltuntergangsstimmung als die „Götterdämmerung“, eine allerdings, die ohne die Erfahrungen von Wagner nicht möglich wäre.

Berg beschreibt nicht Erlösung und Utopie, sondern die nackte Katastrophe: eine perfekte, auch monströse Zelebration des Zerbrechens der Illusionen, gewaltiger Schläge und Bedrohungen. Besser und aktueller kann man kaum ein Programm bauen – und besser spielen wohl auch nicht.

Heute, 20 Uhr, Glocke, Bremen

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