Staatsoper Hannover zeigt „Cavalleria rusticana“ und „Der Bajazzo“

Nennen wir es interessant

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Das Eifersuchtsdrama zwischen Nedda (Sara Eterno) und Canio (Robert Künzli) nimmt seinen Lauf. 

Hannover - Von Jörg Worat. Eifersuchtsmord im Doppelpack: Mit Pietro Mascagnis „Cavalleria rusticana“ und „Der Bajazzo“ von Ruggero Leoncavallo zeigt die Staatsoper eine bewährte Kombination. Die Premiere im Opernhaus erntete viel Beifall.

Regisseur Philipp Himmelmann hat sich ein paar Freiheiten erlaubt. So ist das erste Stück des Abends zwar die „Cavalleria“, vorangestellt wird jedoch der „Bajazzo“-Prolog. Stefan Adam bekommt hier bereits Szenenapplaus – Auftakt zu einem arbeitsreichen Programm für den Bariton, der nachfolgend noch den Alfio und im „Bajazzo“ Tonio beziehungsweise Taddeo singt, durchweg überzeugend.

Die „Cavalleria“-Geschichte über eine fatale Liebesaffäre auf dem Dorfe lässt Himmelmann mit einer Leiche beginnen und erzählt dann in der Rückblende, wie es dazu gekommen ist. Ein längliches Video mit Gesichtern aus dem Opernchor erweist sich zunächst als Spannungsbremse, aber zunehmend wird das Geschehen dichter, wobei es gar nicht besonders stört, dass sich die äußerliche Aktion in Grenzen hält. Khatuna Mikaberidze braucht in der Rolle der ebenso verletzten wie durchtriebenen Santuzza ein wenig Anlaufzeit und räumt dann um so mehr ab, Ricardo Tamura ist als Turiddu punktgenau präsent.

Das Bühnenbild (Johannes Leiacker) bleibt beim „Bajazzo“ prinzipiell das gleiche, ist aber üppiger aufgebrezelt. Ebenso wie der Inszenierungsstil: Da geht mit Akrobatik, Jonglage und Stelzenlauf gleich mächtig die Post ab – immerhin dreht sich hier alles um den Auftritt einer Komödiantentruppe. Die führt ein Eifersuchtsdrama auf, das indes eine durchaus reale Entsprechung hat, und auch diesmal endet die Sache tödlich.

Vor allem Robert Künzli als Canio/Bajazzo und Sara Eterno als Nedda/Colombine pflegen die große Geste. Das kommt gut an, wiewohl Eterno hier und da vielleicht sogar ein wenig zu sehr auf die Tube drückt. Letztlich erzielt aber Stefan Adam mehr Tiefenwirkung, wenn er den Charakter des unglücklich liebenden, aber deswegen noch lange nicht sympathischen Tonio subtil ausdifferenziert. Alleine wie er den Namen „Nedda“ in einer Mischung aus Verehrung und Verachtung artikuliert, ist ein kleines Meisterstück.

Regisseur Himmelmann wollte offenbar den einen oder anderen zusätzlichen Gimmick einbauen und ist damit unterschiedlich erfolgreich. Dass Santuzza als eine Art personifizierte Rache auch beim „Bajazzo“ mit am Tisch sitzt, stört die Handlung nicht, ist ihr aber auch ebensowenig dienlich. Die Schlusspointe allerdings, offenbar inspiriert durch den thematischen Spagat zwischen Wirklichkeit und Spiel in „Bajazzo“, wirkt so verhudelt, dass sie nicht wirklich zündet. Dem stürmischen Schlussapplaus tut das keinen Abbruch, und das Publikum schließt keinen der Beteiligten davon aus. Schon recht, ist doch auch der Opernchor, wie inzwischen schon gewohnt, eine Bank, und das Niedersächsische Staatsorchester unter Generalmusikdirektorin Karen Kamensek überzeugt mit frischem, stimmungsvollem, abwechslungsreichem Spiel. Nennen wir es einen weitgehend interessanten Abend mit mancherlei Höhepunkten.

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