Nels Cline und Julian Lage geben in Bremen ein intimes Duo-Konzert

Fragile Kommunikation

Julian Lage (l.) und Nels Cline
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Julian Lage (l.) und Nels Cline

Bremen - Von Rolf Stein. Nels Cline gilt nicht erst seit seinem Engagement bei der Rock-Band Wilco zu den interessantesten Gitarristen der Szene. Anfangs eher klassischem Fusion-Jazz zuneigend, begann der heute 60-Jährige in den 90er-Jahren mit seinem eigenen Trio einen harscheren Klang zu entwicken. Später wurde er Mitglied der Alternative-Country-Band Geraldine Fibbers wurde und spielte mit dem legendären Bassisten Mike Watt. - Von Rolf Stein.

Nebenher nahm er experimentelle Alben mit dem Sonic-Youth-Gitarristen Thurston Moore auf und begab sich immer wieder in freie Improvisationen mit Musikern wie Elliott Sharp, der unlängst in Bremen zu erleben war, Zeena Parkins, Henry Kaiser und vielen anderen. Aufsehen erregte nicht zuletzt seine schier atemberaubende Neuaufnahme des Albums „Interstellar Space“ von John Coltrane. Kein Wunder, dass das Magazin Jazz Times ihn vor 15 Jahren zum „gefährlichsten Gitarristen der Welt“ erklärte. Clines Zusammenarbeit mit dem mehrere Jahrzehnte jüngeren, eher einer klassischen Jazz-Schule entstammenden Gitarristen Julian Lage, die ihn am Dienstag für ein einziges Deutschland-Konzert nach Bremen führte, mochte da beinahe schon verdächtig dezent anmuten: Während Cline oft ein Arsenal von Effektgeräten benutzt, beschränkt er sich, wie Lage, hier auf eine elektrisch verstärkte halbakustische Gitarre. Und auch wenn der Grundstock des gemeinsamen Repertoires aus zum Teil schon von anderen Alben bekannten Kompositionen Clines besteht, klingen die Ergebnisse vordergründig geradezu unspektakulär.

Was wohl auch das ist, was die Zusammenarbeit für die so unterschiedlichen Gitarristen, die sich durch den legendären Jim Hall kennengelernt haben sollen, attraktiv macht: Die Möglichkeit, sich noch einmal ganz anders mit Musik zu beschäftigen, mit Zusammenspiel und musikalischer Kommunikation, die eine andere Präzision erfordert, die Indienstnahme von Technik, über die beide im Übermaß verfügen, für intime Auseinandersetzungen, die sich aus den unterschiedlichen Spielkonzepten der beiden Musiker ergeben. Die äußern sich mal in eng verzahnten Läufen, orientieren sich mal an klassischen Blues-Formeln, setzen dann wieder perlende Melodien über Klangschraffuren, die das harmonische Standardrepertoire weit transzendieren. In einem rund eineinhalbstündigen Auftritt breiteten die beiden Gitarristen dieses Ideenspektrum am Dienstagabend im gutbesuchten Moments aus, ohne eine Pause, die den fragilen Fluss unterbrochen hätte. Keiner der beiden spielte sich dabei in den Vordergrund, wechselseitig ließen sich die Gitarristen den Vortritt oder improvisierten gemeinsam. Eine beeindruckende, intime musikalische Begegnung.

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