„Nachtgeknister“ von Mike Kenny im Bremer Moks-Theater

Monstermama

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Jahrmarkt mit düsteren Bräuchen: Essen die Clowns zu Mittag kleine Jungen? Szene aus der Produktion „Nachtgeknister“ am Bremer Moks-Theater.

Bremen - Von Corinna Laubach. Die Spieluhr gibt leise harmonische Geräusche von sich. Ein Sternenhimmel wird über die riesige lange Tafel gezogen, der Mond geht auf. Welch wahrlich wunderschöne Rahmenkulisse für Mike Kennys „Nachtgeknister“ im Bremer Moks.

Was folgt ist jedoch kein bedächtiger Tiefschlaf, sondern die fantasiereiche Gruselreise zweier Kinder, Marie (Meret Mundwiler) und Francois (René Oley). Irgendwo in Frankreich, auf einem kleinen Dorf lebt die Mutter, stets nur als „Maman“ gerufen (Anna-Lena Doll), allein mit ihren Kindern. Abends kocht sie in einer Gastwirtschaft. Der Mond passt derweil auf die Kinder auf. So will es das Familienritual.

Marie ist die Ältere, hat die Lügengeschichten um den Mond satt und ist derzeit ohnehin mächtig genervt von ihrem kleinen, leicht zurückgebliebenen Bruder Francois. Jeden Abend ist sie mit ihm allein zu Haus. Jeden Abend dieselben Fragen, dasselbe Drama und Gequengel um eine Geschichte. Jeden Abend! Marie hat die Faxen dicke und übertreibt es mächtig – mit einer Gruselgeschichte, die es in sich hat. Die Idee kam ihr nach dem Kirmesbesuch der Familie, bei dem sich zauberhafte Brummkreisel als Karussells und ein altes beleuchtetes Rad als Riesenrad drehen (Ausstattung: Bettina Weller).

In „Nachtgeknister“ (ab sechs Jahre) treibt eine Menschenfresserin, die aussieht wie Maman, auf dem Jahrmarkt in der Geisterbahn ihr Unwesen. Die kocht Kinder, vorzugsweise Jungen, die den Clowns dann als Suppe serviert werden. Francois‘ Augen quillen vor Ungläubigkeit über, aber der kindliche Schauer hat ihn längst ergriffen. Haben die Clowns vorhin hinter der Geisterbahn nicht Suppe gegessen? Und wenn Marie es doch gesehen hat? Für den kleinen Jungen verschwimmen die Ebenen von Geschichte und Wirklichkeit.

Marie setzt ihm Flöhe ins Ohr: Sieht Maman nicht anders aus? Hm, ja, irgendwie doch. Ist der Nachbarjunge wirklich umgezogen? Hm, verdächtig, keiner hat seine Adresse. Kann man Maman noch trauen? Ist sie überhaupt noch Maman? Francois kriegt es mit der Angst zu tun. An schlafen ist schon lange nicht mehr zu denken.

Im kleinen Moks am Bremer Theater entspinnt Theo Fransz in seiner bunten Inszenierung ein feines Geflecht aus Grusel, Mut und Humor. Während er am Goetheplatz als leichtgläubiger Othello derzeit selbst Opfer von Lügen wird, ist es hier Francois, dem die Gute Nacht-Geschichte allen Schlaf und jede Zuversicht raubt. Bis, ja bis sich natürlich alles auflöst.

In detailverliebter, wunderschöner Kulisse stapfen Marie, Francois und ihre Mutter in dieser sehenswerten Inszenierung über die reichgedeckte Tafel, die Wohnhaus, Dorfstraße und Kirmes zugleich markiert. Dem Publikum beschert das beherzt spielende Trio eine herrlich unbeschwerte Stunde mit vielen Lachern und reichlich Situationskomik. Verdienter großer Applaus.

Die kommenden Familienvorstellungen: am 26.November sowie am 6. und 7. Dezember um jeweils 16 Uhr im Moks- Theater, Bremen.

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