„Wechselspiel zwischen Bestand und moderner Ergänzung“: Der Erweiterungsbau der Bremer Kunsthalle feiert Richtfest

Nach harten, arbeitsreichen Tagen

Wulf Herzogenrath schickt den Richtkranz gen Dachstuhl.

Von Tim SchomackerBREMEN (Eig. Ber.) · „Lauder?“, fragte Polier Ludwig Greich vom Gerüst herunter?

In kernigem Fränkisch verlas er – „Die Feierstunde hat geschlagen / nach harten, arbeitsreichen Tagen“ – den Richtspruch, derweil der Richtkranz vor der Betonfassade des neuen Kunsthallenwestflügels im Wind baumelte. Ob des Regens hatte sich die Festgesellschaft ins Basement des Erweiterungsbaus zurückgezogen, war nur zu besagtem Richtspruch auf die Wallanlagenrasenfläche getreten. Greichs ausführende Baufirma ist so alt wie die erste große bauliche Maßnahme an der 1849 fertig gestellten Kunsthalle. Die war 1899.

Nun beginnen die Innenarbeiten am prominentesten Bremer Museumsbau. Die Gesamtkosten in Höhe von 30 Millionen Euro werden zu je einem Drittel vom Land, vom Bundesregierungsbeauftragten für Kultur und Medien und den Stiftern/Familien Lürssen und Hollweg getragen. Frühjahr 2011 lautet das amtliche Fertigstellungsdatum. Auch wenn der Druck der Abschlussarbeiten hier weniger hoch und weniger spielzeitbestimmt ist als am Weserstadion, Bremens zweiter großer Kulturbaustelle wenige Kilometer weseraufwärts, so schlug doch auch hier der vereiste Winter zu Buche – harte, arbeitsarme Tage, notgedrungen.

Im „Wechselspiel zwischen dem Bestand und der modernen Ergänzung“, führt Architekt Peter Pütz vom Berliner Büro Hufnagel Pütz Rafaelian unten im Betonkubus aus, werde die Idee der Haupthaus-Flügel-Symmetrie des ursprünglichen Kunsthallengebäudes wieder aufgenommen und „zu neuer, geschlossener Bauform ergänzt“. Was nicht nur den Kunstverein als Träger freut, sondern auch Kunsthallen-Chef Wulf Herzogenrath. Er habe „letzte Nacht noch“ Kontakt gehabt nach Berlin und Hamburg. Ein Liebermanngemälde, das als „nobler Gast“ in der früheren Malervilla am Wannsee residiert wolle gerne bald nach Bremen zurück, es sei „doch schon hundert Jahre in Bremen“. Außerdem folge „Qualität der Schönheit“. Ähnliches verlautbarte Monets „Camille“: Ihr Dienst als nobler Gast in Hamburg möge bald ein Ende haben, legte Herzogenrath dem Sammlungsprunkstück in den Mund.

Mit Um- und Ausbau geht die Modernisierung von allerlei Hintergrundbereichen einher. Zeitgemäße Sicherheits- und Restaurierungstechnik soll die Kunsthalle fit machen – auch für die Eventherausforderungen des gegenwärtigen Museumsmarkt. Da wirkt es fast bescheiden, dass die Wiedereröffnung dieses Kulturorts im kommenden Jahr nicht mit einem Leihgabenpaukenschlag daherkommen wird, sondern mit der Präsentation der eigenen, Jahrhunderte Kunstgeschichte umspannenden Sammlung. Darin zwei Schwerpunkten, die mit Herzogenraths Ägide eng verbunden sind: Medienkunst sowie französische Malerei des 19. und 20. Jahrhunderts. Kuratorisch sicher die größere Herausforderung. Die vielleicht in dem Sinne gelingt, wie Pütz seine eigene Arbeit charakterisiert: „Es geht darum, Vorhandenes weiter zu führen. Nicht als Kopie, sondern in zeitgemäßer Erweiterung – das ist für uns traditionsbewusstes Bauen.“ Wenn Herzogenrath auf eine noch karge Betonwand deutet, weil da und da dieses oder jenes Bild den neuen Platz bereits gefunden hat, kann man genug Vorstellungskraft unterstellen.

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