„Riverdance“ geht 20 Jahre nach dem Debüt erneut auf Tournee

Mystik im Kunstnebel

Das „Riverdance“-Ensemble beweist tänzerische Perfektion. ·
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Das „Riverdance“-Ensemble beweist tänzerische Perfektion. ·

Bremen - Von Andreas Schnell. Irgendwann an diesem Abend könnte man sich glatt fragen, wann denn wohl der Werbeblock für irische Butter kommt: „Riverdance“ lässt nämlich nur wenig aus, was an Irland-Klischees durch die Welt geistert – abseits der aktuellen Berichterstattung, die in den vergangenen Jahren eher zwischen Wachstumswunder und Pleite-Iren schwankte.

Immerhin: Die große Hungersnot Mitte des 19. Jahrhunderts kommt durchaus vor, die zu massenweiser Migration in die Neue Welt führte – ein bisschen Geschichte gehört dazu, wenn es um das irische Volk und seine Kultur geht. Allerdings findet sich mindestens ebenso viel mythisch-mystisches Raunen in „Riverdance“ – es geht um legendäre Volkshelden und um Mutter Sonne.

Zwanzig Jahre nach ihrem Debüt ist die Tanz-Show noch einmal auf Tournee durch Deutschland und in diesem Rahmen für einige Auftritte auch im Bremer Musical-Theater zu sehen. Am Montagabend war die Bremen-Premiere der über die Jahre immer wieder dezent gelifteten Show, die derzeit in einer personell verkleinerten Variante zu sehen ist. An der tänzerischen Perfektion hat sich dabei nichts geändert. Allerdings schien man das, was an physischer Präsenz fehlte, durch Lautstärke wieder wett machen zu wollen, was dem insgesamt zu grellen Klangbild wenig zuträglich war. Ohnehin mochte man seinen Ohren kaum trauen: Begleitet wurde das Tanz-Ensemble aus irischen Stepp-Tänzern, zwei amerikanischen Tap-Tänzern, einer Flamenco-Tänzerin und einem vierköpfigen russischen Ensemble von gerade einmal vier Musikern – die all das gar nicht spielen konnten, was zu hören war. Neben schwülstigen Synthesizer-Flächen, die perfekt mit dem immer wieder über die Bühne wabernden Trockeneisnebel korrespondierten, war ein elektrischer Bass zu hören, aber nicht zu sehen. Ebenso wie eine Gitarre – ohne einen Gitarristen auf der Bühne. Und der Violinist der kleinen Band klang schon allein wie ein ganzer Streichersatz.

Ein bisschen Schummelei gehört dazu, offenbarte doch schon vor Jahren der ausführende Produzent, dass für einige der Gruppenchoreographien vorproduzierte Stepp-Sounds benutzt würden. Ob das immer noch so ist, ließ sich nicht recht feststellen. Aber das schien auch niemanden zu kümmern.

Spätestens nach der Pause klatschte das Publikum mit und verteilte großzügig Szenen-Applaus. Da gab es neben viel Naturromantik durchaus humorvolle Szenen zu sehen, wie den Wettstreit zwischen amerikanischen Tap-Tänzern und drei Iren, der in schönster Völkerverständigung endet. So viel Botschaft muss sein.

Dafür gab es nach zwei Stunden stehende Ovationen. Auf eine Zugabe wollte das Publikum allerdings doch nicht bestehen.

Weitere Termine: heute und morgen, jeweils 20 Uhr, Musical-Theater Bremen, Karten gibt es ab 59 Euro.

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