Tortoise verzichtet auf laute Kritik –  und sendet trotzdem ein Statement

Die Musik spricht für sich

Auch ohne Hype, kann sich Tortoise bei ihrem Bremer Auftritt über Wiedererkennungsjubel freuen. - Foto: Andrew Paynter

Bremen - Von Rolf Stein. Wenn amerikanische Musiker in Zeiten politischer Erschütterungen in ihrer Heimat reisen, nehmen sie oft Stellung und distanzieren sich, je nachdem, gern von dem, was im Namen des amerikanischen Volkes geschieht. Und so hätte eigentlich ein Wort von der Band Tortoise zu Donald Trump am Freitagabend niemanden wirklich überrascht. Immerhin stehen die Chicagoer für ein aufgeklärtes, progressives Amerika.

Ihre instrumentale Musik verknüpft nicht nur amerikanische Spielweisen wie Jazz, Minimal Music, brasilianische Einflüsse, Dub, experimentelle Elektronik und House, um sie mit den Mitteln einer Band zu einer neuen Musik zu verschmelzen. Auch Spuren indonesischer Gamelan-Musik, von Krautrock und italienischen Western-Soundtracks lassen sich auf den Alben der Band aufspüren, die ihre Songs auf der Bühne dann wiederum gern in neuen Fassungen aufführt.

Vielleicht ist das allein Statement genug. Lediglich die eher leise Aufforderung, angesichts der schlimmen Dinge in der Welt weiterzukämpfen, war gegen Ende des Konzerts von John Herndon zu vernehmen. Ansonsten ließen sie die Musik sprechen.

Im Januar dieses Jahres hatten sie ihr erstes Album seit sieben Jahren veröffentlicht, auf dem sie erstmals mit Gesang operierten. Der Titel dieses Werks: „The Catastrophist“. Nach einer Tournee im Frühjahr ist Tortoise derzeit noch einmal quer über den Globus unterwegs.

Und auch wenn der Hype, der sich vor 20 Jahren um sie als Erfinder eines eher ominösen Phänomens namens Post Rock um sie rankte, längst abgeflaut ist, kommen immerhin noch gut 200 Zuschauer, um zu sehen, wie der Stand der Dinge ist. Und auch wenn es so etwas wie Hits im engeren Sinne bei Tortoise nicht zu geben scheint, gibt es immer wieder Wiedererkennungsjubel, nicht zuletzt bei Stücken von „TNT“, dem Album, mit dem sie sich Ende der Neunziger einer breiteren Öffentlichkeit vorstellten. Sogar für das Eröffnungskonzert des Oldenburger Kultursommers wurden sie damals geladen. Ein recht prominenter Platz für eine so experimentelle Band.

Welchen Einfluss Tortoise bis heute haben, lässt sich derweil gut bei der französischen Vorband DLGZ aus Lille nachhören, deren Mischung aus Krautrock, Progressive und Verwandtem zwar rauer klingt, aber doch mehr als nur oberflächlich von der Idee beeinflusst sind, Rockmusik aus ihrem Korsett zu befreien.

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