Sven Regener im Interview über Festivals, Vertrautheit und Bremen

„ Musik ist mein Leben“

Sven Regener
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Sven Regener

Scheeßel - Von Pascal Faltermann. Sven Regener hat sich als Autor der Romane „Herr Lehmann“ und „Neue Vahr Süd“ einen Namen gemacht. Aber er ist vor allem Musiker. Mit seiner Band Element of Crime spielte er jetzt beim Hurricane-Festival in Scheeßel. Im Interview spricht er über Festivals, Bremen sowie Bezug und Vertrautheit.

In dem Song „Immer da wo du bist bin ich nie“ von Ihrem aktuellen Album wird das Steintor erwähnt. Ist es das Bremer Steintor?

Sven Regener: Das gibt es ja auch in Halle und in Hannover. Wobei das in den Städten nicht die gleiche Bedeutung hat. Das stimmt schon.

Aber sind es nicht die Bremer Fahrbahnrillen der Straßenbahn im Steintor, von denen Sie singen? Welchen Bezug haben Sie noch zu Ihrer Heimatstadt Bremen?

Regener: Es ist tatsächlich so: Ich bin 1980 quasi aus Bremen weg. Das war vor 30 Jahren, ich bin heute fast 50 Jahre alt, aber die ersten 20 prägen einen. Ich würde mich heute – ich wohne seit fast 28 Jahren in Berlin – als Bremer sehen. Nicht weil ich da wieder wohnen will, sondern weil ich dort aufgewachsen bin. Das ist wie die erste Sprache die man lernt, wie das Essen, mit dem man aufwächst.

Und was ist der aktuelle Bezug zu Bremen?

Regener: Ich habe dort Verwandte. Deshalb ist auch noch eine relativ starke Bindung da. Ich muss schon zwei, drei Mal im Jahr dort sein, sonst werde ich nervös. Einfach nur, um mal wieder anzukommen.

Mittlerweile spielen Sie doch zum vierten Mal beim Hurricane-Festival?

Regener: Ich glaub schon. Stimmt. 1997 haben wir hier auch schon gespielt. Das war das zweite Hurricane-Festival, das war ganz am Anfang.

Haben Sie dadurch schon einen gewissen persönlichen Bezug zu dem Festival bekommen?

Regener: Naja, ich bin ja aus Bremen. Ich kann mich gut erinnern an das Festival, das damals den Ausschlag gab für diese Reihe. Das, was damals abgebrannt ist.

Sie meinen das Rock-Festival im Jahr 1977?

Regener: Richtig. Ich kann mich erinnern, dass damals viele Kumpels aus meiner Schule da waren. Ich nicht, da ich schon damals kein großer Festivalgänger war – weil ich nie ein Camper war. Insofern kenne ich das schon. Ich bin hier früher mit dem Fahrrad lang gefahren. Aber das hat keinen Zusammenhang damit, dass ich hier spiele.

Aber entsteht dann keine Bindung?

Regener: Das ist eine andere Sache für Jungs, die hier aus der Gegend kommen. Aber selbst wenn ich in Bremen im Pier 2 spiele, habe ich in dem Moment keinen großen Bezug zu Bremen. Wir fahren mit dem Bus hin, sitzen im Backstage-Bereich, machen den Soundcheck und spielen. Dann geht es ins Hotel und wir fahren weiter.

Aber ist diese Frage nicht dennoch berechtigt?

Regener: Ja, ich kenne das Wetter im Norden, ich kenne das Klima, ich kenne diese Wiesen, die Landschaft. Das meine ich mit den ersten 20 Jahren, die einen prägen. Das ist mir hier viel vertrauter als in Neuhausen, wo wir beim Southside spielen. Aber es wäre doch komisch, wenn ich als Musiker deswegen anders agiere. Somit spielt diese Vertrautheit keine Rolle für das, wofür ich da bin.

Die Musik von Element of Crime hat viele Einflüsse. Von Punk bis Zirkusmusik. Von Rock bis Pop. Holen Sie sich auf Festivals bei anderen Bands Inspiration?

Regener: Ich gehe viel auf Konzerte, aber wenn ich selbst spiele, schaue ich mir keine anderen Bands an. Dafür bin ich zu sehr konzentriert auf unseren Auftritt. Aber natürlich lasse ich mich inspirieren. Musik ist mein Leben. Allerdings gehe ich lieber in Clubs als auf Festivals.

Wie halten Sie Ideen für neue Songs fest?

Regener: Ich bin ein ganz schlechter Archivar und mache mir keine Notizen. Ich benutze den Filter meines Gedächtnisses. Alles was dort nicht drin bleibt, ist auch nicht richtig gut.

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