Musical „Rocky Horror Show“ kommt nach Bremen: Eine Reise zu den Wurzeln

Ekstase und Eskalation

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Wo alles begann, unter dem Dach des Royal Court Theaters im Londoner Stadtteil Chelsea trifft der Frank‘n‘Furter-Darsteller Rob Fowler (l.) auf den Komponisten Richard Neville Hartley. n

London/Bremen - Von Pascal Faltermann. Konfetti fliegt, Wasserpistolen spritzen, Schimpftiraden prasseln auf die Schauspieler nieder – zuviel für Sky Du Mont. Damit wollte er sich nicht abfinden: „Ich dachte, dass das so nicht weitergehen kann.“

Zum Musical „Rocky Horror Show“ gehören genau diese Ärgernisse aber zwingend dazu. Du Monts Einsicht, dass das alles Teil des Spektakels ist, folgte allerdings schnell. Als Erzähler wird er nicht zum ersten Mal das Bühnenstück im Bremer Musical Theater begleiten.

„Ich mache es erneut, weil es die größte Erfahrung ist, die ich gemacht habe. Außergewöhnlich, wundervoll“, erzählt Du Mont in London. Der Filmstar, bekannt aus dem Hollywood-Streifen „Eyes Wide Shut“ oder „Der Schuh des Manitu“ besucht zu Promotion-Zwecken die Filmkulisse Oakley Court. Er legt nach: „Die Leute stehen auf den Stühlen und tanzen, das ist unglaublich.“ Ebenfalls in die Superlative gehen die Beschreibungen des Stückes in den Medien: ein frivoles Spektakel, das schrägste Musical aller Zeiten, mitreißendes Entertainment der lauten und schrillen Sorte.

Was der Verfasser sicherlich am wenigsten erwartet hätte: In nur wenigen Wochen schrieb der damals arbeitslose Schauspieler Richard O‘Brien im Winter 1973 das Musical. Horror-B-Movies und Rock’n’Roll dienten ihm als Inspiration. Am 16. Juni 1973 gab es am The Royal Court Theatre Upstairs, auf der Studiobühne, die Premiere. Vor nur 80 Personen. 1975 kam dann der Film „The Rocky Horror Picture Show“ in die Kinos.

Und nun: Zurück zu den Wurzeln. Ein Time Warp. Zurück in die Vergangenheit oder doch mit Volldampf in die Zukunft? Figuren der „Rocky Horror Show“ kehren zurück nach London, zu den Orten der Entstehung und Uraufführung.

Sky Du Mont (v.l.), Rob Fowler und Christopher Biggins.

Nach 40 Jahren sitzt Christopher Biggins, einer der Nebendarsteller in dem Kinofilm „Rocky Horror Picture Show“, wieder in der Bücherei des Oakley Court. Er lacht, brüllt, scherzt und erinnert sich. Der kräftige und laute britische Schauspieler hat es sich mit Sky Du Mont und Darsteller Rob Fowler, der bereits 2008 den Frank’n’Furter spielte und es wieder tun wird, auf zwei Ledercouchen bequem gemacht. Damals, als der Film hier gedreht wurde, hätten sich die Darsteller mit Brandy und Kaffee gewärmt, erzählt Biggins, der er im Film einen der Partygäste spielt. Die Tapete bröckelte von den Wänden, das Schloss war herunter gekommen und wirkte gruselig. Heute ist aus dem englischen Landhaus, welches 1859 im neugotischen Stil erbaut wurde, ein Luxushotel nebst Anwesen mit einer Fläche von 14 Hektar geworden. Nur bei Nacht erinnert es noch an das Haus des exzentrischen Dr. Frank‘n‘Furter.

Biggins lobt Darsteller Fowler: „Du spielt mit einer wundervollen Besetzung, deine Stimme ist unglaublich und der Frank‘n‘Furter ist als Charakter sehr wichtig für dieses Stück.“ Jede Nacht sei die Show anders, sind sich alle einig. Auch wenn der Film in London damals erst ein Mega-Flop gewesen sei, können die Leute mittlerweile nicht genug davon bekommen. Fowler selbst, der ebenfalls aus Deutschland anreiste, spielt die Rolle bereits zum dritten Mal. Und er weiß: „Es ist der beste Job auf der Welt.“

Christopher Biggins, einer der Nebendarsteller in dem Kinofilm „Rocky Horror Picture Show“.

Während die drei Protagonisten in ihren ganz eigenen Erinnerungen schwelgen und sich mit der Originalkulisse des Stückes auseinander setzen, kommt immer wieder die Frage auf, was die Faszination des Musicals ausmacht. „Du kannst sein, was du sein möchtest“, sagt Biggins. Für Erzähler Sky Du Mont ist es die Verbindung und Interaktion mit dem Publikum. Für Fowler das unvergleichliche Feedback, welches ihm auf der Bühne entgegen strömt: „Die Gäste bereiten sich auf dieses Stück vor, es sind Hardcore-Fans“, erklärt er.

Wenn die drei Akteure darüber sprechen, lachen sie euphorisiert. Es sei die Freiheit und der Spaß, der alles verbinde. Nicht umsonst werden in Theatern teilweise Super-Soaker, Klopapier und alte Zeitungen an das Publikum verteilt. Mit Fanpaketen ausgestattet tanzen die Zuschauer nicht nur beim bekanntesten Song, dem „Time Warp“, stehen auf ihren Sitzen. in Schauspielhäusern. Bühne frei für das Spektakel. Es soll drunter und drüber gehen.

Genau das muss der Schöpfer des Stückes im Sinn gehabt haben. Richard O‘Brian, sagte einmal in einem Interview: „Rocky ist eine Collage, eine Montage, eine Sammlung populärer Themen, ausgeschnitten und zusammengeklebt mit dem Ziel, ein Bild zu schaffen, das wir erwarten und das wir brauchen. Denn es gibt bestimmte Dinge, nach denen der Mensch verlangt, auch wenn keiner weiß, warum.“ Mit dieser Mixtur hat er das Stück geschaffen und erreicht damit immer wieder neue Generationen. „Hoffnungen, Träume, Ambitionen und Ansichten – das ist es, was uns ausmacht. All der andere Kram ist völlig unwesentlich“, sagte O‘Brian. Sein Stück ist Kult geworden, die Geschichte klassisch.

"Rocky Horror Show" kommt nach Bremen

Sky Du Mont (v.l.), Rob Fowler und Christopher Biggins am Oakley Court. © Foto: Rob Cadman
Wo alles begann, unter dem Dach des Royal Court Theaters im Londoner Stadtteil Chelsea trifft der Frank‘n‘Furter-Darsteller Rob Fowler (l.) auf den Komponisten Richard Neville Hartley. © Foto: Rob Cadman
Royal Court Theaters im Londoner Stadtteil Chelsea . © Foto: Rob Cadman
Frank‘n‘Furter-Darsteller Rob Fowler (r.) trifft auf den Komponisten Richard Neville Hartley vor dem Royal Court Theater. © Foto: Rob Cadman
Frank‘n‘Furter-Darsteller Rob Fowler (r.) trifft auf den Komponisten Richard Neville Hartley. © Foto: Rob Cadman
Frank‘n‘Furter-Darsteller Rob Fowler singt das erste Mal in London im Royal Court Theater. © Foto: Rob Cadman
Christopher Biggins, einer der Nebendarsteller in dem Kinofilm „Rocky Horror Picture Show“. © Rob Cadman
Sky Du Mont (v.l.) und Rob Fowler. © Rob Cadman
Rob Fowler (v.l.), Sky Du Mont und Christopher Biggins. © Rob Cadman
Sky Du Mont wird Erzähler der "Rocky Horror Show" sein. © Rob Cadman
Sky Du Mont (v.l.), Rob Fowler und Christopher Biggins. © Rob Cadman
Sky Du Mont (h.) und Rob Fowler. © Rob Cadman
Frank‘n‘Furter-Darsteller Rob Fowler © Rob Cadman
Vom 6. bis 11. Januar wird das Musical "Rocky Horror Show" im Musicaltheater Bremen zu sehen sein. © Rob Cadman
Sky Du Mont wird Erzähler der "Rocky Horror Show" sein. © Rob Cadman
Die Filmkulisse für die "Rocky Horror Picture Show" der Oakley Court. © Rob Cadman
Die Filmkulisse für die "Rocky Horror Picture Show" der Oakley Court. © Rob Cadman
Vom 6. bis 11. Januar wird das Musical "Rocky Horror Show" im Musicaltheater Bremen zu sehen sein. © Thommy Mardo
Vom 6. bis 11. Januar wird das Musical "Rocky Horror Show" im Musicaltheater Bremen zu sehen sein. © Thommy Mardo
Thommy Mardo
Vom 6. bis 11. Januar wird das Musical "Rocky Horror Show" im Musicaltheater Bremen zu sehen sein. © Foto: Rob Cadman

Unter dem Dach des Royal Court Theaters im Londoner Stadtteil Chelsea befindet sich der dunkel gestrichene Raum, in dem es damals die Uraufführung gab. Der britische Komponist Richard Neville Hartley („Time Warp“ oder „Sweet Transvestite“) trifft hier Rob Fowler, welcher sich in Jeans und roten Highheels auf die Bühne stellt und „I’m Going Home“ anstimmt. Es ist sein erster Auftritt als Frank’n’Furter in London. Auch wenn er nur vor Journalisten singt, spricht er von Energie und besonderer Atmosphäre, die er gespürt habe. Dass es bei der ersten Aufführung der „Rocky Horror Show“ im Jahre 1973 an diesem Ort auch um Rede- und Meinungsfreiheit ging, ist mittlerweile kaum noch bekannt. Laut einer Umfrage des Theaters soll die „Horror Show“ beim Publikum immer noch das beliebteste Stück sein. Der Zeitsprung in eine andere Welt fasziniert eben die Massen.

Vom 6. bis 11. Januar im Musicaltheater Bremen.

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