Munro Price legt Napoleons Charakterschwächen offen

Großer Feldherr mit kindischen Anwandlungen

Mediengruppe Kreiszeitung
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Munro Price "Napoleon - Der Untergang"

Bremen - Von Johannes Bruggaier. Am 10. August 1813, es war noch recht früh am Tage, beschloss Napoleon Bonaparte, schon mal schlafen zu gehen. Der Beschluss wäre nicht weiter der Rede wert, hätte es für den französischen Kaiser nicht noch eine Kleinigkeit zu erledigen gegeben: Ein Friedensangebot der Alliierten wartete auf eine Antwort und zwar nicht länger als bis zu ebendiesem 10. August. 

Weil Napoleon aber Ultimaten hasste und sie als Angriff auf seine persönliche Würde verstand, gönnte er sich erst einmal demonstrativ ein Nickerchen.

Wäre die Depesche rechtzeitig bei Fürst Metternich, dem österreichischen Außenminister und Chefunterhändler der Koalition, eingetroffen, so hätte die Geschichte womöglich eine andere Wendung genommen. Das jedenfalls glaubt Munro Price, der in seinem neuen Buch Gründe für den „Untergang“ des vormals so siegreichen Feldherrn Napoleon sucht. Er findet sie nicht selten in solchen eher trotzigen, bisweilen kindischen Haltungen eines Mannes, der gerissen genug ist, Schlachten zu gewinnen – aber zu grün, um den Krieg zu entscheiden.

Eitelkeit und Größenwahn standen dem genialen Strategen nicht allein auf diplomatischem Parkett im Wege. Auch auf dem Schlachtfeld konnte Napoleon schon einmal über seine eigenen Charakterschwächen stolpern. Als der Frieden auf solch fatale Weise verschenkt und die Völkerschlacht bei Leipzig in vollem Gange war, sah er sich von mehreren Seiten bedroht. In Böhmen standen Österreichs Truppen unter der Führung des Fürsten Karl Philipp zu Schwarzenberg, im Nordwesten aber überschritt gerade General Blücher die Elbe. Erst der eine, dann der andere, so lautete Napoleons Devise: Um Blücher zu schlagen, galt es, sämtliche Kräfte Richtung Torgau zu mobilisieren. Das hätte bedeutet, Dresden zeitweilig aufzugeben, eine Stellung von vergleichsweise geringer Bedeutung.

Napoleon aber konnte nicht aufgeben. 30.000 Mann, bei Torgau dringend benötigt, harrten in Dresden aus, um festzuhalten, was man aus taktischen Gründen besser aufgegeben hätte.

Fatal wirkte sich auf die Strategie des Korsen das problematische Verhältnis zur eigenen Bevölkerung aus. Bis zuletzt glaubte der Kaiser, seinem Volk den großen Sieg überbringen zu müssen. Tatsächlich jedoch war schon früh Friedenssehnsucht verbreitet, die immer neuen Steuererhöhungen und Aushebungen hatten vor allem die Landbevölkerung zermürbt.

Napoleons Untergang, so lässt sich an Prices Untersuchung ablesen, dürfte den gleichen Gründen geschuldet sein wie sein kometenhafter Aufstieg: einem gehörigen Maß an Hybris und Beratungsresistenz.

Munro Price: „Napoleon – Der Untergang“, übers. v. Enrico Heinemann, Siedler Verlag: München 2015; 464 Seiten; 24,99 Euro.

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