Die Bläserformation „Blechschaden“ in der Glocke

Elf Münchner und ein Schotte

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Nimmt selbst andere gern auf den Arm: Bob Ross (M.), Dirigent und Moderator von „Blechschaden“.

Bremen - Von Wolfgang Denker. Wenn ein Verkehrsunfall glimpflich verlaufen ist, sagt man oft: Das war ja nur Blechschaden. Wenn man aus einem Konzert der Gruppe „Blechschaden“ kommt, muss man sagen: „Wow! So ist nur Blechschaden!“.

So war es auch in der Bremer Glocke. „Blechschaden“ wurde vor 35 Jahren von Bob Ross gegründet und setzt sich aus zehn Blechbläsern und einem Schlagzeuger der Münchner Philharmoniker zusammen. Bob Ross ist (inzwischen pensionierter) Hornist, aber vor allem ist er Schotte. Er moderiert und dirigiert die Konzerte. Mit seinem Käppi, den wallenden Haaren und seinem verschmitzen Humor könnte er fast Otto Waalkes Konkurrenz machen. Zu fast jedem Stück hat er eine trockene Bemerkung auf Lager. Kostproben? Zur Moonlight Serenade: „Meine Musiker sind wie der Mond – mal nehmen sie zu, mal nehmen sie ab. Und vielleicht sind sie auch alle vier Wochen voll.“ Oder zum irischen „Lord of the Dance“: „Was ist der Unterschied zwischen einer irischen Hochzeit und einer irischen Beerdigung? Ein Betrunkener weniger.“ Und zu Bachs „Toccata“: „Eine schottische Fassung. Wir sparen an der Orgel.“ Oder über den Trompeter, der schon am längsten dabei ist: „Er spielt noch wie ein Vulkan. Vielleicht nicht mehr so feurig, aber auf jeden Fall spuckend.“

Aber trotz dieser humorvollen Späße bleibt die Musik die Hauptsache. Und dabei geht es quer durch den Garten: „Sempre Fidelis“ von Sousa und „Kalinka“ stehen neben Mozarts „Entführung aus dem Serail“, dem „Canzon Septimi Toni“ von Gabrielli, bayerischen Jodlern oder der „Pizzicato-Polka“ von Johann Strauß. Witzig und ausgesprochen pfiffig sind die Arrangements. So werden die Pauken bei der Einleitung zu „Zarathustra“ von Richard Strauss durch Stampfen der Musiker ersetzt. Beethovens „Für Elise“ mutiert zum „Tango für Elise“ und Wagners „Ring“ wird als „Ring der Niegelungen“ in vier Minuten abgehandelt. Bei den Münchner Philharmonikern handelt es sich um ein erstrangiges Orchester, das immerhin Kempe, Celibidache, Levine, Thielemann und Maazel als Chefdirigenten gehabt hat. Und auf entsprechendem Niveau bewegen sich die Musiker. Jeder ist ein Solist, jeder beherrscht sein Instrument in Perfektion.

Und auch der Schlagzeuger Arnold Riedhammer zeigt in seinem irrwitzigen Solo, dass er es mit jedem Jazz-Drummer aufnehmen kann. Ein Konzert, das in jedem Moment Spaß macht. Und wenn dann noch der Triumphmarsch aus Verdis „Aida“ auf Gartenschläuchen gespielt wird, gibt es kein Halten mehr.

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