„Aus den Akten auf die Bühne“

Mit deutscher Gründlichkeit

Tödliche Arbeit: Peter Lüchinger (v.l.), Simon Elias, Markus Seuß und Petra-Janina Schultz erzählen ein finsteres Kapitel Bremer Geschichte.
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Tödliche Arbeit: Peter Lüchinger (v.l.), Simon Elias, Markus Seuß und Petra-Janina Schultz erzählen ein finsteres Kapitel Bremer Geschichte.

Bremen – Auch wenn er dort steht, wo Bremen schon beinahe zu Ende ist, kaum zu sehen von der Hauptstraße, ist der U-Bootbunker Valentin spätestens mit Hans Kresniks Karl-Kraus-Inszenierung „Die letzten Tage der Menschheit“ nicht nur in der Region weithin bekannt.

Ein schauriger Ort, in dessen Schatten üble Dinge geschahen. So errichtete die Geheime Staatspolizei (Gestapo) 1940 in Farge das erste von insgesamt rund 200 sogenannten Arbeitserziehungslagern (AEL). Dort sollten Arbeiter zur Räson gebracht werden, die zum „Bummelantentum“ neigten, wie man es damals nannte – wobei nicht jeder die Erziehungsmaßnahmen überlebte.

Die Geschichte dieses Lagers  erzählt die jüngste szenische Lesung der Reihe „Aus den Akten auf die Bühne“, ein Projekt des Instituts für Geschichtswissenschaft an der Bremer Uni und der Bremer Shakespeare Company. Es ist bezeichnend, wie ergiebig die Aktenlage zum Thema ist – statt einem Begleitband gibt es diesmal zwei. Aber überraschen tut es ja nicht, dass auch dieses Unternehmen mit deutscher Gründlichkeit ins Werk gesetzt wurde.

Dass einst auch die örtliche Handelskammer und Unternehmen wie die Norddeutsche Hütte oder die Lloyd-Dynamo-Werke den angestrebten erzieherischen Zweck des Arbeitserziehungslagers gern für sich nutzbar machen wollten, mag unappetitlich erscheinen, geahnt hatte man es allerdings auch schon können. Die großen und kleinen Brutalitäten, über die natürlich geflissentlich Buch geführt wurde, machen den ersten Teil dieses Abends zu einer durchaus auch anstrengenden Sache, zumal die eingangs dazu gelieferten Hohelieder führender Faschisten auf die Arbeit allzu schnell verklungen sind. Dabei hätte eine intensivere Verschränkung von Ideologie und Praxis womöglich den Erkenntnisgewinn durchaus steigern können.

Im zweiten Teil geht es um die Aufarbeitung der nationalsozialistischen Herrschaft. Wobei sich zeigt, dass das neue Deutschland seine alten Nazis oft noch ganz gut gebrauchen konnte und manches Verfahren deshalb mit Freispruch endete. Nicht unbedingt ein überraschender Abend also, aber in seiner minimalistischen Konzentration durchaus eindrücklich.

Sehen

Dienstag, 22. September, Mittwoch, 30. September, Donnerstag, 29. Oktober, jeweils 19.30 Uhr, Theater am Lebnizplatz.

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