Michel van Dyke veröffentlich nach zehn Jahren Pause sein Soloalbum „Doppelleben“

Meilenstein zum Gutmenschentum

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Mediengruppe Kreiszeitung

Syke - Von Mareike Bannasch. „Denn du trägst keine Liebe in dir, nicht für mich und für irgendwen.“ Diese Zeilen werden all jenen bekannt vorkommen, die Ende der 90er-Jahre mitten in der Pubertät steckten. Und für fünf Jungs aus Flensburg, besser bekannt unter dem Namen „Echt“, schwärmten. Verantwortlich für den Text des mit Gold ausgezeichneten Hits der Band war aber nicht der Kopf der Gruppe, Kim Frank, sondern Michel van Dyke. - Von Mareike Bannasch.

Nach einer langen Karriere als Hitproduzent legt der niederländische Texter und Komponist nun ein neues Soloalbum vor – das erste seit 2004. „Doppelleben“ lautet der Titel der Scheibe. Ein mehr als subtiler Hinweis auf den Künstler und sein zweites Dasein. Allerdings lebt van Dyke dieses nicht im Verborgenen, sondern im hellen Tageslicht aus. Auf der einen Seite ist der gebürtige Niederländer als Texter und Komponist der unsichtbare Kopf hinter erfolgreichen Stücken von Patrick Nuo und Anna Loos. Am Erfolg beteiligt, aber dennoch unscheinbar im Hintergrund. Dort bleibt Michel van Dyke allerdings nicht immer. Als Mitglied des Trios „Ruben Cossani“ spielte er auch auf großen Bühnen, allerdings nur bis 2012. Dann ging die Gruppe getrennte Wege.

Nun ist der Wahl-Hamburger zurück, nach zehn Jahren Solopause. Und hat nicht nur musikalisch einiges im Gepäck. So gibt van Dyke Einblicke in sein Seelenleben zwischen öffentlichem Erfolg und Schattendasein hinter den Kulissen. Dabei macht er auch vor nicht ganz ernst gemeinten Bestandsaufnahmen wie in „Bestimmt was vergessen“ Halt. Was auf den ersten Blick als selbstironische Abrechnung mit den eigenen Unzulänglichkeiten daherkommt, ist auf den zweiten eine geschickt verpackte Gesellschaftskritik. Die sich an all jene richtet, die den sicheren Weg propagieren – und andere dazu zwingen, ihre Entscheidungen zu hinterfragen. Auch wenn sie vorher vielleicht noch ganz zufrieden mit sich waren. War es wirklich richtig, die Uni abzubrechen? Warum setzt man immer auf das falsche Pferd? Und überhaupt, sollte man sich endlich mal wieder nach den Gefühlen seines Gegenübers erkundigen? Meilensteine auf dem Weg zum Gutmenschentum.

Dieser humorvolle Blick auf die ewigen Zauderer, die immer alles in Frage stellen müssen, überzeugt nicht nur textlich. Instrumental zeigt sich in diesem Stück, dass Michel van Dyke mehr kann, als eingängige Popsongs zu texten. Wie bei vielen Lieder auf dem Album finden sich auch in diesem Song die obligatorischen Bläser, die den stimmigen Hintergrundsound liefern. Das könnte kitschig und beliebig sein, aber dank abwechslungsreichem Schlagzeug und untermalendem Klavier kriegt van Dyke gerade noch die Kurve. Er schafft stattdessen ein Stück, das unweigerlich gute Laune macht.

Der Ausweg aus der Falle Fahrstuhlmusik gelingt dem Niederländer aber nicht immer. So bleibt von „Leichtes Gewesen“ nicht wirklich etwas hängen. Vielmehr wird der Hörer den Eindruck nicht los, Melodie und ja, auch den Text, in dieser Form bereits einmal gehört zu haben. Ob im Aufzug? Keine Ahnung, vielleicht war es auch im Wartezimmer. Solche Lieder sind zum Glück aber nur kleine negative Randerscheinungen, der Rest des „Doppellebens“ zeigt eine wohldurchdachte Bandbreite verschiedenster Musikstile, die sich manchmal auch an vergangenen Epochen orientieren, so zum Beispiel „Lieber traurig“. Der Titel sagt bereits, wo die Reise hingeht. Hier wird eine gescheiterte Beziehung verarbeitet, in epischer Breite mit der Ex-Freundin abgerechnet. Auch wenn der Text zum Schluchzen einlädt, handelt es sich bei diesem Lied keineswegs um einen depressiven Schmachtfetzen für die Kuschlrock-Platte. Er kommt vielmehr als Chanson daher, mit viel Platz für die ungewöhnliche Stimme van Dykes. Die ohne Probleme im Paris der 30er-Jahre zu hören sein könnte und sich nicht auf ein bestimmtes Genre festlegen lässt. Genauso wie der Musiker selbst. Er macht in seinem neuen Album besonders eines deutlich: Doppelleben können durchaus auch schöne Seiten haben.

Michel van Dyke, „Doppelleben“. Das Album erscheint am 29. August bei Warner Music und kostet 20,98 Euro.

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