Berlin bis Broadway: Bisseh Akamé verleiht Chansons Soul und Swing / Gastspiel in Hamburg

Im Metropolenmix heimisch

Verliebt in Berlin: Bisseh Akamé.

Von Rainer BeßlingHAMBURG (Eig. Ber.) · Auf den ersten Blick scheint alles klar: eine neue Blues- oder Soulsängerin, die sich auf dem Caover ans Mikro schmiegt. Doch dann die ersten Takte ausgefeilter Klavierbegleitung, eine geschulte Stimme und hintergründige Geschichten, Szenen aus dem Großstadtdschungel der 1930er Jahre.

Bisseh Akamé bedient nicht das Bild von der afro-amerikanisch verwurzelten Sängerin mit rauer Naturstimme. Die Deutsch-Kamerunerin pflegt ihre Liebe zum deutschen Chanson und den Brückenschlag zwischen ausgebildeter Stimme, souligem Timbre und Swing. „From Berlin to Broadway“ heißt ihre jüngste CD und das Programm, mit dem die Wahlberlinerin demnächst unter anderem in den Hamburger Kammerspielen zu hören sein (9./10. und 19./20. Oktober).

Von Erscheinungsbild her eingeordnet zu werden, ist der Tochter einer Deutschen und eines Schwarzafrikaners seit Kindertagen in der südwestdeutschen Provinz vertraut. Richtig heimisch fühlte sie sich erst in Metropolen wie Hamburg, London und Berlin, wo sich die Kulturen so mischen, wie es in ihrer eigenen Familie angelegt ist.

Gegen musikalische Zuschreibungen hat sie sich bereits früh erfolgreich gewehrt. Die Mutter, eine Geigerin und Musikpädagogin, hatte für die Tochter schon die klassische Karriere auf dem Plan. Doch die Einflüsse väterlicherseits sprachen eine andere Sprache: Da wurde Gitarre gespielt, gesungen und getanzt. Ein Milieu, das dem Temperament Bisseh Akamés deutlich näher lag. Nicht dass sie klassische Musik nicht mochte, doch die Strenge und Humorlosigkeit des Publikums, das sich selbst von den bewegtesten Passagen nicht aus der Reserve locken ließ, das war ihr fremd.

So hat sich Bisseh Akamé, schon früh entflammt für das Aufbruch-Klima und den Kulturmix des Berlin der 20er und 30er Jahre, ihre eigene Nische im Chanson gesucht. Die neuen Outfits, das pulsierende öffentliche Leben, die Verschmelzung der Stile und Künste, das neue Bild der Frau, das Rütteln an sozialen Standards spiegeln sich in der Songs aus der spannendsten Epoche der jüngeren deutschen Kulturgeschichte.

Hier traf der Swing auf das Volksgut und Kunstlied, hier gab es auch schon Sängerinnen, die eine ausgebildete Stimme hatten und trotzdem swingen konnten. Auch Künstlerinnen wie Lena Horne oder die junge Ella Fitzgerald zählen zu den Vorbildern Bisseh Akamés. In die vokale Schule ist sie bei einem Afro-Amerikaner gegangen, der ihr weiterhin hilft, in immer neue künstlerische Bereiche vorzudringen und dessen Unterricht nicht die Gefahr birgt, dass die Stimme im Kunstanspruch ihre schwarze Färbung verliert.

Neben einem Chanson von Friedrich Hollaender, Ellington-Standards, Musical-Hits und R&B-Klassikern wie Joe Samples „Street Life“ sind mehrere Titel von Kurt Weill auf dem Album zu hören. Weill verkörpert idealtypisch die deutsch-amerikanische Mischung aus Klassik und Musical. Als Repräsentant für eine frühe transatlantische Kulturbrücke tritt er geradezu zwangsläufig auf der Liste von Wunschtiteln auf, die Bisseh Akamé unbedingt singen wollte.

Das aktuelle Berlin sieht die Sängerin gar nicht so weit entfernt vom Kulturmetropolenklima der 30er Jahre. Die Nachbarschaft von Opernhäusern und Jazz-Clubs schafft das Klima, das ihr Heimatgefühle beschert. Einen vergleichbaren Puls findet sie in keiner anderen deutschen Stadt. Eine Ahnung davon will die vitale Performerin auch in ihrer Show vermitteln, in der allein Stimme und Klavier Club-Atmosphäre schaffen. Am 11. und 12. Dezember hat sie ein Heimspiel im Berliner Admiralspalast.

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