Die Kunst macht mal Pause, Teil 2: Der Tenor Mark Duffin vom Theater Bremen / „Singen ist ein Kinderspiel“

In der Metropole New York die Ruhe suchen

Mark Duffin

SYKE (Eig. Ber.) n Auch eine Kulturnation gönnt sich eine kulturlose Zeit. Zwischen Anfang Juli und Ende August herrscht in den meisten Theatern und Konzerthäusern Stille, sowohl Künstler als auch deren Publikum befinden sich im Urlaub. Eigentlich aber kennt Kunst keinen Urlaub, wie unsere Sommerserie beweist. Schauspieler, Tänzer und Musiker kontaktieren wir in ihren Ferien und fragen: Was machen Sie jetzt eigentlich?

„Pause? Was ist Pause?“, fragt Mark Duffin, und durch die Telefonleitung lässt sich tatsächlich so etwas wie Verblüffung verspüren. Ein wenig gespielt ist die Ratlosigkeit allerdings doch. Natürlich kennt auch ein viel gefragter Tenor das Wort „Pause“, und selbstverständlich hat er sich nicht umsonst vier Wochen freigenommen, die er ganz mit seiner Familie verbringen kann. Vier Wochen in seiner Heimat New York: Duffin will sich für diesen Zeitraum einigeln, hofft, dass er die Stadt nicht ein einziges Mal verlassen muss. Sogar das kulturelle Angebot der Metropole will er links liegen lassen, nach einer Kräfte zehrenden Spielzeit in Europa jedenfalls habe er von Arien und Liederabenden vorerst genug. „Es ist schon komisch“, sagt der Sänger: „Da ist man für vier Wochen in einer Stadt wie New York und will einfach nur seine Ruhe haben.“

Doch was Duffin unter Ruhe versteht, dürfte für manchen Arbeitnehmer gewöhnungsbedürftig erscheinen. Morgens, nach dem Aufstehen, ist erst einmal eine Runde Joggen im nahe gelegenen Park angesagt. Anschließend steht eine halbe Stunde Vokalübungen auf dem Programm, danach gilt es, für anstehende Produktionen die deutsche Aussprache zu trainieren. Später geht es ans Klavier zur ersten Annäherung an die harmonischen Strukturen des Werks. „Wann soll ich diese Arbeit denn sonst machen?“, verteidigt Duffin seine „Urlaubs“-Planung. Schließlich sei sein Terminkalender das ganze Jahr über prall gefüllt: von Wagners „Rienzi“ in Bremen über „Tannhäuser“ in Karlsruhe bis hin zur „Aida“ auf der Bremer Seebühne Anfang Juli.

Wo aber bleibt in den Ferien bei all den Übungen und Trainingsmaßnahmen die Zeit mit der Familie? Dafür, sagt Duffin, gebe es noch genügend Spielraum. Schließlich pflege er aus beruflichen Gründen einen anderen Biorhythmus als seine Ehefrau. Wenn sie sich zu Bett begibt, kommt er erst auf Touren. Von zehn Uhr abends bis Mitternacht kann er dann singen, dass die Wände wackeln.

Man kann sich einen solchen Urlaub nicht recht erholsam vorstellen. Und dennoch fiele es Duffin nicht ein zu klagen. Bei seiner Tätigkeit, wehrt er ab, handele es sich doch gar nicht um Arbeit im klassischen Sinne: „Es ist mehr ein Spiel, eine Art Kinderspiel.“ Aus diesem Grund sei die Arbeit auch keine Arbeit, sondern vielmehr selbst Urlaub. Umgekehrt müsse der Urlaub deshalb noch lange nicht Arbeit sein. Alles klar? In etwa. Der nächste öffentliche Arbeitstag steht in Bremen am 13. September an. Dann hat Vincenzo Bellinis Oper „Norma“ Premiere.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

6000 Migranten aus Marokko erreichen Ceuta

6000 Migranten aus Marokko erreichen Ceuta

Israels Armee tötet hochrangigen Militärkommandeur in Gaza

Israels Armee tötet hochrangigen Militärkommandeur in Gaza

Angriff auf Tel Aviv - Hamas-Leute im Fadenkreuz Israels

Angriff auf Tel Aviv - Hamas-Leute im Fadenkreuz Israels

Israel greift Hamas-Tunnel an - Feuerpause nicht in Sicht

Israel greift Hamas-Tunnel an - Feuerpause nicht in Sicht

Meistgelesene Artikel

Der Blick der Kunst auf die Wirklichkeit

Der Blick der Kunst auf die Wirklichkeit

Der Blick der Kunst auf die Wirklichkeit
Katja Klengel stellt ihren Comic „Girlsplaining“ in Bremen vor

Katja Klengel stellt ihren Comic „Girlsplaining“ in Bremen vor

Katja Klengel stellt ihren Comic „Girlsplaining“ in Bremen vor

Lehn‘ ihn einfach gegen die Wand

Lehn‘ ihn einfach gegen die Wand
Wilddruden und das Schöne im Schrecklichen

Wilddruden und das Schöne im Schrecklichen

Wilddruden und das Schöne im Schrecklichen

Kommentare